Abschied vom Club der toten Seelen

31.05.2011                      27.Ijar, 5771                      Tag 42 des Omer

Erinnerung:

Abschied vom Club der toten Seelen

Der Publizist Henryk M. Broder erinnert sich daran, wie die mitleidlosen Reaktionen der Intellektuellen auf den Terroranschlag in den USA vor zehn Jahren sein Bild von den Deutschen veränderte.

Im Großen und Ganzen ist mein Leben in Deutschland friedlich, beinah gemütlich verlaufen. Ich ging zu Schule, machte das Abitur, schrieb mich an der Uni ein, um meine Eltern ruhig zu stellen, besuchte Rockfestivals, nahm an Demos gegen Springer und den Vietnamkrieg teil und freute mich auf den Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft. Und das würde ich heute noch tun, wenn nicht zwei Ereignisse dazwischen gekommen wären.
Das eine war die Entführung einer Air-France-Maschine mit 248 Passagieren an Bord Ende Juni 1976 auf dem Flug von Tel Aviv über Athen nach Paris durch palästinensische Terroristen und zwei Angehörige der deutschen "Revolutionären Zellen". Kurz nach der erzwungenen Landung in Entebbe/Uganda wurden die nichtjüdischen Passagiere freigelassen, die jüdischen als Geiseln gefangen genommen. Wobei die deutschen "Genossen" ihren palästinensischen Freunden halfen, indem sie anhand der Namen in den Pässen die Juden von den Nichtjuden separierten. Es war die erste "Selektion" nach 1945….