Archiv der Kategorie: Wissenswertes

Jerusalemtag, Statistik

eingestellt am: 20.05.2012                      28.Ijar. 5772                    Jerusalemtag; Tag 43 des Omer

Jerusalemtag:

Heute, am 28. Ijar ist "Jerusalem-Tag", der an die Wiedervereinigung der Stadt nach dem Sechs-Tage -Krieg 1967 erinnert. Damals eroberte die israelische Armee in einem Kampf von Haus zu Haus den Osten der Stadt von den Jordanier. ( Nicht von den Palästinenser! Palästina ist eine Erfindung von Yassir Arafat kurz vor der ersten Intifada. )

Anlässlich des Feiertages hat das 'Zentrale Statistikamt' Zahlen zur aktuellen Situation in der israelischen Hauptstadt veröffentlicht. Jerusalem ist seit dem Jerusalemgesetz vom 30. Juli 1980 offizielle Hauptstadt Israels.

Fakten über Jerusalem:

Jerusalem ist nach wie vor die grösste Stadt Israels. 2011 hat sie die Marke von 800.000 Einwohnern überschritten. Von den ~801.000 Einwohner sind 62% (~497.000) Juden, 35% (~281.000) Muslime, etwa 2% (~14.000) Christen und  etwa 1% (~9.000) gehören keiner der drei genannten Religionsgemeinschaften an.

Zuzügler kommen meist aus Bnei Brak, Tel Aviv-Jaffa und Beit Shemesh. Wer die Stadt verlässt, zieht wiederum ebenfalls meist nach Tel Aviv-Jaffa, Beit Shemesh oder Beitar Illit.

Die Geburtsrate der Jerusaleminnen liegt mit 4,01 deutlich über dem Landesdurchschnitt von 3,03.

Ein durchschnittlicher Haushalt in Jerusalem hat 4 Mitglieder, der Landesdurchschnitt liegt bei 3,4.

87,7% der Erwerbstätigen arbeiten in der Stadt, gegeüber nur 64,2% der Tel Aviver.

11,2% der Haushalte mit Kindern sind ohne Einkommen. Das sind fast doppelt so viele wie der Durchschnitt der Stadtbevölkerung mit 6,6%.

34% der Juden im Alter von über 20 Jahren in Jerusalem bezeichnen sich als ultraorthodox (Haredim), 19% als reliiös, 27% als traditionell religiös oder traditionell, aber nicht so religiös, und 19% bezeichnen sich als säkulär und nicht religiös. Im Landesdurchschnitt liegen die entsprechenden Zahlen bei: 9%, 10%, 38% und 43%.

Die Jerusalemer sind optimistischer als der Rest des Landes. 56% glauben, ihre Situation werde sich in der Zukunft verbessern ( 52% in Israel insgesamt). Dagegen sind 63% zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation; das trifft nur auf 59% der Israelis insgesamt zu.

65,3% der Schüler an hebräisch-sprachigen Schulen lernen an ultraorthodoxen Schulen ( mit eigenem Lehrplan ); 37,1% der Schüler insgesamt an arabisch-sprachigen Schulen.

An den Hochschulen der Stadt sind 36.500 Studierende eingeschrieben.

(Zentrales Statistikamt, 16.05.2012)

Thesenpapier zur Zwei-Staaten-Lösung

eingestellt am:10.05.2012                      18.Ijar. 5772                    LagBaOmer; Tag 33 des Omer

Bettina Kudla

Mitglied des Deutschen Bundestages

Mitglied im Finanzausschuss

Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union

Thesenpapier zur Zwei-Staaten-Lösung und zur Siedlungspolitik des Staates Israel

Seit Jahren werden in der Öffentlichkeit immer wieder Debatten um die politische Situation des Staates Israel geführt. Die Bundesregierung unterstützt mit Nachdruck die sogenannte Zwei-Staaten-Lösung und kritisiert gleichzeitig Israels Siedlungspolitik. Anbei einige Überlegungen aus dem Blickwinkel einer Abgeordneten des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union, der Leipziger Bundestagsabgeordneten Bettina Kudla.

Die Palästinenser hatten ein Fülle von Gelegenheiten, einen eigenen Staat zu gründen:

Im Einzelnen:

– Im Jahre 1948 bei Beschluss der UN Resolution. Israel ergriff die Gelegenheit zur Staatsgründung, die arabischen Nachbarn reagierten mit einem Angriff auf Israel. Die im heutigen Westjordanland lebenden Araber (der Begriff Palästinenser wurde erst unter Arafat eingeführt) lehnten die Gründung eines eigenen Staates ab, da sie die Gründung des Staates Israel nicht zulassen wollten und stattdessen das gesamte Gebiet zwischen Westjordanland und Mittelmeer haben wollten. Die Palästinenser hatten die gleichen Chancen auf eine eigene Staatsgründung wie Israel! Aber nur Israel hat diese Chance genutzt. Daher ist eine grundlegende Skepsis der Israelis gegenüber der Gründung eines Palästinenserstaates historisch begründet.

– Im Jahre 1967 nach dem Sechs-Tage Krieg: Die „Drei Neins von Karthum“ – wieder Ablehnung der Palästinenser einen Friedensvertrag mit Israel abzuschließen und keine Anerkennung Israels.

– Im Jahre 1993 wurde erstmals durch Arafat im Rahmen eines Briefes die Existenz des jüdischen Staates anerkannt und Gewaltverzicht als Grundlage für den Oslo-Prozess und damit als Grundlage für die Bildung eines Autonomiegebietes im Westjordanland gelegt.

– Im Jahre 2000 in Camp David. Auch hier lehnten die Palästinenser ab.

– Im Jahre 2008 bot Premierminister Olmert den Palästinensern 97% des Westjordanlandes zur Gründung eines eigenen Staates an. Abgelehnt!

– Obwohl der Staat Israel seit über 60 Jahren ein funktionierender Staat ist, in dem es eine Gewaltenteilung nach Legislative, Exekutive und Judikative gibt und ein Parlament mit 120 Abgeordneten, die in freier und geheimer Wahl gewählt werden, haben alle islamischen Staaten (keine Demokratien!)den Staat Israel bis heute nicht anerkannt.

All dies zeigt: Das Problem ist nicht die Staatsgründung eines Palästinenserstaates, das Problem ist, dass die arabischen Nachbarn den Staat Israel nicht wollen. Das ist das zentrale Problem!

Diese Haltung ist z.T. auch in Strömungen des Islam begründet. Man muss die Frage stellen, warum empfangen die Vertreter von über 50 islamischen Staaten vor der UN-Vollversammlung im Mai 2011 den Vertreter eines demokratischen Staates Israel frostig und im Grunde feindselig und bejubeln gleichzeitig den palästinensischen Vertreter. So wie die islamischen Staaten den jüdischen Staat Israel behandeln, werden diese in der langfristigen Perspektive auch die europäischen Staaten behandeln. Der Staat Israel muss sich gegen diese fehlende Anerkennung, die sich in einem Hinarbeiten auf die Zerstörung des Staates Israel“ ausdrückt, wehren können. Falls die Europäer und insbesondere die BRD es mit einer Partnerschaft mit Israel ernst meinen, dann müssen sie an der Ursache des Problems ansetzen, also an der fehlenden Anerkennung des Staates Israel.
Ohne diese Anerkennung des Staates Israel, die überzeugend durch Gewaltverzicht dargelegt werden muss, kann es keinen Palästinenserstaat geben.

– Die Palästinenser müssen folglich die Voraussetzungen für einen eigenen Staat schaffen, nicht die Israelis! Durch den einseitigen Gang vor die UN, der eben keine Anerkennung Israels mit einschließt, entfernt man sich von dem Ziel eher, als dass man sich ihm nähert. Die Forderung nach Anerkennung des Staates Israel scheint bei den Europäern zur lästigen Pflichtübung verkommen zu sein.

– Es stellt sich die Frage, wie die 1,5 Mrd. Euro EU Mittel, die in den Jahren 2011-2013 in den Gaza Streifen fließen, verwendet werden. Zweckentfremdet für Korruption oder für militärische Angriffe (Raketenbeschuss) auf Israel?

– Es ist nicht nachvollziehbar, warum hohe politische Vertreter wie die EU Außenbeauftragte oder der deutsche Entwicklungshilfeminister dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR im Gaza-Streifen Schecks in Millionenhöhe überbringen, ohne gleichzeitig zu fordern, dass der Begriff Flüchtlinge für die Bewohner im Gaza-Streifen nicht mehr anzuwenden ist. Wirkliche „Flüchtlinge“, also Menschen, die im Jahre 1948 vom Gebiet des heutigen Israel in den Gaza-Streifen gezogen sind oder vertrieben wurden, leben heute kaum mehr. Es ist nicht sachgerecht, alle Generationen danach noch als Flüchtlinge zu bezeichnen. Diese Vorgehensweise dient ausschließlich dazu, eine Drohkulisse gegenüber Israel aufzubauen, dass die komplette Bevölkerung des Gaza-Streifens nach Israel umsiedeln möchte. Dies würde den Staat Israel zwangsläufig destabilisieren. Wer es mit der Zwei-Staatenlösung wirklich ernst meint, der kann doch nicht wollen, dass Menschen, die heute im Gaza-Streifen geboren werden, sich als Flüchtlinge bezeichnen statt als Staatsbürger eines Palästinenserstaates. Der künftige Palästinenserstaat wird das Westjordanland und den Gaza-Streifen umfassen.

Siedlungspolitik:

– Die Rechtslage der Gebiete des Westjordanlandes und des Gazastreifen ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt keinen Friedensvertrag und es gibt keinen Palästinenserstaat und folglich auch kein Staatsgebiet. Ein über Jahrzehnte währender rechtlich ungeklärter Zustand ist keine Begründung, dass das Gebiet einfach den Palästinensern zugesprochen wird. Während in Israel 7,5 Mio. Menschen leben, sind es im Westjordanland rund 2,3 Mio. und im Gazastreifen 1,4 Mio.

– Die Siedlungspolitik begann 1967 nach den „Drei Neins von Karthum“. Siedler sind Israelis, die in Ostjerusalem oder dem Westjordanland leben wollen, ganz einfach Menschen, die in moderne, z.T. vom Staat Israel geförderte moderne Wohnungen gezogen sind. Die Siedlungen haben z.T. die Wüste bewohnbar gemacht, Siedlungen schaffen Infrastruktur und Arbeitsplätze auch für die arabische Bevölkerung.

– Siedler sind Menschen, die in Frieden wohnen wollen und keine Kriminellen. (A settler ist not a criminal!) Vereinzelt gibt es militante Siedler, die aber von der israelischen Justiz verfolgt werden. Eine gewisse Radikalisierung der Siedler hat sich sicherlich aufgrund der feindseligen Haltung der arabischen Bevölkerung gegenüber den israelischen Bewohnern zwangsläufig herausgebildet. (wie z.B. die grundlose Ermordung einer fünfkoÅNpfigen Siedlerfamilie im vergangenen Jahr, die von den Palästinensern z.T. bejubelt wurde).

– Die Siedler im Westjordanland sind zahlenmäßig nicht mehr als 15% der arabischen Bevölkerung. Das Gebiet der Siedlungen beträgt nur 3 % des Westjordanlandes. In welchen Staat in Europa würde man einer Bevölkerungsgruppe einfach verbieten, dort leben zu wollen, wo sie es eben gerne möchten? In welchem Staat in Europa müsste man für bestimmte Bevölkerungsgruppen solche Sicherheitsvorkehrungen treffen, wie in den Siedlungen? Sicherlich in keinem demokratischen Staat!

– Folglich kann man nicht von einem Willen zur friedlichen Nachbarschaft der Palästinenser ausgehen, wenn die Siedler im Westjordanland das große Problem sind. Warum stellen sich die Europäer dann so vehement auf die Position der Palästinenser und kritisieren Israel?

– Die Forderung „alle israelischen Siedler raus aus dem Westjordanland“ ist die Forderung nach einer ethnischen Säuberung. Wie stellen sich die Europäer zu dieser Forderung? In Europa würde eine solche rassistische Forderung gerichtlich verfolgt.

– Angeblich würden die Siedlungen die Gründung eines Palästinensischen Staates verhindern. Die Siedlungen dienen auch vehement den Sicherheitsinteressen Israels. Im Rahmen einer Zwei Staaten Lösung wäre eine Gebietstausch möglich zum Ausgleich für das Siedlungsgebiet, ggf. auch die Aufgabe vereinzelter Siedlungen.

– Zum Vergleich: Man stelle sich den finanziellen und rechtlichen Kraftakt vor, wenn nur ein kleines Dorf in einem Bergbaugebiet in Europa umgesiedelt werden müsste. Die Forderung nach einer Umsiedlung von Städten mit mehreren tausend Einwohnern ist unrealistisch.

– Wie kommen die Europäer dazu, Israel wegen ihrer Siedlungspolitik so zu kritisieren und nicht an erster Stelle einen Gewaltverzicht seitens der Palästinenser zu fordern? Wird die Tatsache, dass Israelis in einer Siedlung im Westjordanland leben wollen schlimmer gewertet als Gewaltakte gegen Israelis?

– Die Siedlungen werden, mit Ausnahmen zu Einzelfällen zu Beginn der Siedlungspolitik, deren private Eigentümer entschädigt wurden, allein auf öffentlichem Grund und Boden gebaut.

– Die Siedlungspolitik wurde in den sechziger Jahren unter der Arbeiterpartei begonnen und wurde von den Regierungen jeglicher Couleur in Israel mit getragen. Eine Ablehnung der Europäer bedeutet, dass man sich gegen alle demokratisch in Israel gewählten Regierungen wendet und die Position der Palästinenser einnimmt, die noch nie eine wirklich demokratische Regierung hatten!

– Die Siedlungspolitik ist von einzelnen Beduinensiedlungen, die aus Sicherheitsgründen geräumt wurden, zu unterscheiden.

– Ein neun monatiger Siedlungsstopp in 2009 hat die Friedengespräche auch nicht voran gebracht.

– Der Abzug der 8000 jüdischen Siedlern aus dem Gaza-Streifen im Jahr 2009 unter hohem finanziellen Entschädigungsaufwand seitens des israelischen Staates hat die Lage im Gaza-Streifen nicht verbessert, im Gegenteil. Die 8000 Israelis hat man zwangsumgesiedelt! Das Gebiet, in dem keine Israelis mehr leben, ist heute das größte Problem.

– Siedler bedeuten auch einen Schutz für die Palästinenser. Die Israelis werden immer ein besonderes Interesse an Frieden, Sicherheit und Wohlstandsentwicklung haben, wenn eine hohe Anzahl an jüdischer Bevölkerung in einem Gebiet lebt.

– Jerusalem: Nur im jüdischen Glauben steht Jerusalem im Zentrum des Glaubens, für die Muslime steht Jerusalem erst an dritter Stelle ihrer heiligen Stätten. Ist den europäischen Christen bewusst, dass im Falle einer Teilung Jerusalems die Stadt muslimisch würde? Jerusalem ist unteilbar!

– Fazit: What´s so bad about status quo. As long as the status quo is preferable to the alternative, the status quo looks pretty good. You don`t compare the status quo to your fantasies, but to realistic alternatives, weighing the material price for each such risk or concession. (JerPost July 11,2011, p. 24)

– Nur in einem gemeinsamen friedlichen Miteinander zwischen Israelis und Palästinensern wird sich die wirtschaftliche Situation der Palästinenser bessern. In Israel sind 17 % der Staatsbürger Araber. (<–admin: Satzstellung geändert!) Dort funktioniert das Zusammenleben auch.

– Gibt es in der Welt überhaupt ein anderes Land, bei dem ein Regierungschef so massiv die Vernichtung eines Nachbarstaates gefordert hat, wie der Iran gegenüber Israel?

– Zu beachten gilt, dass Araber aufgrund ihrer orientalischen Mentalität u.U. nicht so sachlogisch Verträge und Abkommen schließen, wie es die Europäer erwarten. Diese Tatsache wird von den Europäern in der Regel ignoriert. Daher ist es wesentlich schwieriger überhaupt zu Ergebnissen zu kommen.

– Israel wurde aufgrund seiner Zurückhaltung gegenüber dem arabischen Frühling sehr kritisiert. Inzwischen gibt die Entwicklung der Haltung des Staates Israel recht. Dies zeigt, dass die Einschätzung des unmittelbar betroffenen Landes doch die realistischere ist, als die von Wunschdenken geprägte Haltung der Europäer.

Fazit:

Bei genauer Betrachtung der Sachlage kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass die Staatsräson Deutschlands, dem Staat Israel zur Seite zu stehen, nicht blindlings zu erfolgen hat, sondern dass sie wohl begründet ist.

Leipzig / Berlin, Februar 2012

gezeichnet: Bettina Kudla MdB

Gibt es Verständnis für Israels Angiffspläne?

eingestellt am: 28.03.2012                      05.Nissan. 5772

Pro und Kontra:

Gibt es Verständnis für Israels Angriffspläne?

Seit langem bedroht die Islamische Republik Iran den jüdischen Staat Israel.Viele Experten vermuten, dass der Iran an der Entwicklung einer Atombombe arbeitet. Daher steht ein präventiver Militärschlag Israels zur Debatte. Dazu ein Pro & Kontra.

Warum hat die westliche Welt den Iran nicht früher in die Schranken verwiesen?

Reinhold Robbe (SPD, Berlin) ist Präsident der Deutsch.Israelischen Gesellschaft, in der sich Freunde Israels in überparteilicher Zusammenabeit zusammenfinden. Er war 2005 – 2010 Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages.

Pro: Weil es sich bei diesem Thema im wahrsten Sinne um ein politisch „vermintes Feld“ handelt, sei vorweg darauf hingewiesen, dass ein Militärschlag Israels gegen den Iran eine Kettenreaktion mit unabsehbaren Folgen für die Menschen im Nahen Osten und in Europa auslösen könnte. Und solange es auch nur den Hauch einer Chance für eine politische Lösung dieses Problems gibt, ist ein Militärschlag auf gar keinen Fall zu verantworten. Soviel vorweg.

Und trotzdem habe ich – ebenso wie viele Freunde Israels in der Welt – Verständnis für die Tatsache, dass in der israelischen Regierung die Zerstörung der iranischen Atomanlagen mit militärischen Mitteln nicht mehr ausgeschlossen wird. Eigentlich müsste die Frage doch ganz anders lauten: Eigentlich müsste gefragt werden, ob man Verständnis für die Haltung der europäischen Staaten aufbringen soll, die sich offensichtlich nicht bedroht fühlen, obwohl die iranischen Trägerraketen nicht nur Tel Aviv, sondern ebenso Paris, London und Berlin treffen können.

Auch müsste gefragt werden, weshalb die freie westliche Welt nicht wesentlich früher in einer überzeugenden konzertierten Aktion den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in die Schranken gewiesen hat. Die Menschen in Israel befinden sich bekanntlich seit der Staatsgründung in einem permanenten Ausnahmezustand. Krieg und Frieden werden in Israel ganz anders buchstabiert als in Mitteleuropa. Ahmadinedschad hat erst vor wenigen Tagen im ZDF den Holocaust und das Existenzrecht Israels bestritten. Und es vergeht kein Tag ohne Drohgebärden dieses furchtbaren Despoten. Wer will es den Israelis verdenken, wenn sie über einen Angriff auf die Atomfabriken nachdenken, weil alle Warnungen bisher in den Wind geschlagen wurden?

Israel hat die Atombombe längst – mit welchem Recht kann es sie dem Iran verbieten ?

Dr. Rolf Verleger, Psychologieprofessor an der Universität Lübeck, gehörte dem Zentralrat der Juden in Deutschland an, den er 2009 wegen israelkritischen Äußerungen verlassen musste. Sein Vater überlebte das KZ Ausschwitz.

Kontra: „Was dir verhasst ist, tu deinem Nächsten nicht an! Das ist die ganze Torah, der Rest ist Erläuterung“, lehrte der große Rabbiner Hillel (ca. 30 v. bis 9 n. Chr.). Wenden wir dies an: Irans Präsident Achmadinedschad fordert, das zionistische Regime Israel solle von der Landkarte verschwinden. Das ist nicht freundlich. Aber Israel fordert schon seit langem einen „Regimewechsel“ im Iran. Tut es damit dem Iran nicht genau das an, was ihm selbst verhasst ist? Ebenso: Iran möchte vielleicht die Atombombe. Aber Israel hat sie längst schon selbst. Mit welchem Recht kann es sie dem Iran verbieten? Sowohl die USA als auch Israel vertreten hier kurzsichtig ihre Interessen, und die EU spielt leider mit. Die USA wollen im ölreichen Nahen Osten nur wohlgesonnene Regimes – und sie möchten den Fehler wettmachen, dass sie mit ihrem Irak-Krieg dem Iran mehr Einfluss verschafften. Aber was ist am Iran schlechter als an Pakistan oder Saudi-Arabien? Hat der Iran kein Recht auf ökonomische und politische Entfaltung?

Achmadinedschads Rechtfertigung für seine verbalen Ausfälle ist die schwärende Wunde des Unrechts Israels: 1948 Vertreibung der Palästinenser, ihre Enteignung und gewaltsame Verhinderung ihrer Rückkehr, heute ihre Diskriminierung in Israel, ihre Rechtlosigkeit in der Westbank, ihre Einkerkerung in Gaza. Israel möchte von diesem Unrecht nicht reden und setzt sich stattdessen als Opfer einer hypothetischen künftigen iranischen Atombombe in Szene. Ist dieser Themenwechsel nicht sehr willkommen? „Du sollst nicht morden“, wurde uns geboten. Denn Gewalt ist niemals eine Lösung. Wenn man den israelischen Rechtsnationalisten zuhört, könnte man meinen, die Bösen seien immer die anderen. Ist es aber nicht vielmehr unsere Aufgabe, unseren eigenen Anteil zu erkennen und zu ändern?

Rechtliche Aspekte der vorzeitigen Anerkennung eines palästinensischen Staates II

eingestellt am:   29.06.2011                      27.Siwan, 5771

Rechtskommentar:

Rechtliche Aspekte der vorzeitigen Anerkennung eines palästinensischen Staates

Die vorzeitige Anerkennung eines palästinensischen Staates wird den historischen Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern nur vertiefen und intensivieren, nicht lösen.

So erklärte etwa Mahmoud Abbas, Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, in einem Gastkommentar in der New York Times vom 16. Mai 2011 unmissverständlich, dass er plant, die einseitige Erklärung der Palästinenser als Sprungbrett zu nutzen, um „den Weg freizumachen für Klagen gegen Israel bei der UNO, Institutionen für Menschenrechte und dem Internationalen Gerichtshof.“

Die einseitige Ausrufung einer Eigenstaatlichkeit untergräbt den bestehenden internationalen Rahmen für israelisch-palästinensische Verhandlungen und für verbindliche bilaterale Vereinbarungen zwischen den Parteien. All diese Vereinbarungen fordern die Parteien auf, zusammen zu arbeiten, den Konflikt zu lösen und alle Fragen, die den permanenten Status betreffen (Grenzen, Jerusalem, Siedlungen, Flüchtlinge, Sicherheit, Wasser) in einer gemeinsam vereinbarten Art und Weise zu regeln und die Verantwortung für einseitige Maßnahmen zu übernehmen. Auch die von US-Präsident Obama kürzlich gehaltene Rede spiegelte diesen Ansatz wieder. Er unterstrich darin, dass ein dauerhafter Frieden nur durch einen durch Verhandlungen erreichten Lösungsansatz erreicht werden wird, dem beide Seiten zustimmen und nicht durch einseitige politische Manöver….

N-TV: Antisemitismus im 21. Jahundert: Israel – Der ewige Sündenbock

eingestellt am: 13.06.2011                      11.Siwan, 5771                      

You-Tube Video: ( von n-tv und Tilman Tarach )

N-TV: Antisemitismus im 21. Jahundert: Israel – Der ewige Sündenbock

Heiliger Krieg, die »Protokolle der Weisen von Zion« und die Verlogenheit der sogenannten "Linken" im Nahost­konflikt.
Über keinen Staat gibt es so viele Gerüchte wie über Israel.

Tilman Tarach zeigt, daß die deutschen Medien, aber auch Organisationen wie die Uno und jede Menge »Israelkritiker« den Stoff liefern, aus dem diese diffamierenden Legenden gestrickt werden. Die alte Parole »Die Juden sind schuld« wird heute in weiten Teilen der Gesellschaft begierig auf den jüdischen Staat angewendet, und zwar reichlich unabhängig davon, wie er sich verhält.

Tilman Tarach zeichnet die entscheidenden historischen und aktuellen Aspekte des Nahostkonflikts nach und zeigt auf, welch groteskes zweierlei Maß in der allgemeinen Debatte um Israel Anwendung findet….