Muslimbrüder – vom Instinkt verlassen

29.11.2011                      03.Kislev. 5772

Parlamentswahlen in Ägypten:

Muslimbrüder – vom Instinkt verlassen

80 Jahre haben Ägyptens Muslimbrüder auf ihre Chance gewartet – nun sind sie dabei, sie zu verspielen. Die mächtigste Islamistengruppe des Landes wird zwischen dem Machtwillen der Militärregierung und der revolutionären Wut auf dem Tahrir-Platz zerrieben. Ihren politischen Instinkt scheint die Bruderschaft dabei verloren zu haben.

Die alten Rezepte funktionieren nicht mehr im Nahen Osten, nicht mal die palästinensische Karte sticht noch. Während die Menschen auf dem Tahrir-Platz in Kairo gegen Militärherrschaft und Polizeibrutalität protestierten, hatten die Muslimbrüder anderenorts eine alternative Demonstration zum Schutz der Aqsa-Moschee in Jerusalem einberufen. Die Reaktion war verheerend. Im Kurznachrichtendienst Twitter gifteten Ägypter wie "Daloosh": "Welche Rolle spielt Al-Aqsa, wenn unser Land in Flammen steht?"

Selbst eine palästinensische Jugendorganisation solidarisierte sich mit dem Tahrir und warf den Islamisten in ihrem Blog vor, "wie die arabischen Tyrannen" die Sache der Palästinenser "als Instrument der Unterdrückung zu nutzen". Auf dem Tahrir-Platz war kein Durchkommen – auch ohne Muslimbrüder, dabei galten die Religiösen bei Massenveranstaltungen bislang als unverzichtbar. Selten schien Auml;gyptens mächtigste Islamistengruppe so von politischem Instinkt verlassen zu sein wie jetzt…