Pressemitteilung vom 19.03.2012

eingestellt am: 21.03.2012                      27.Adar. 5772

Apartheid-Vergleich:

SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel bietet DIG-Präsidenten Reinhold Robbe Gespräch an

Nachdem es sowohl in den jüdischen Gemeinden, wie auch in der Deutsch- Israelischen Gesellschaft zum Teil sehr heftige Kritik wegen des „Apartheid-Vergleichs“ des SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel nach einem Besuch in Hebron in der vergangenen Woche gegeben hatte, unterbreitete SPD-Chef Gabriel dem DIG-Präsidenten Reinhold Robbe ein Gesprächsangebot.

Robbe hatte bereits letzte Woche öffentlich Kritik gegenüber dem SPD-Vorsitzenden geäußert (http://www.bild.de/politik/inland/sigmar-gabriel/umstrittene-israel-kritik-von-spd- chef-gabriel-bei-facebook-23157094.bild.html). Gabriel habe mit seinem „Apartheid- Vergleich“ nicht nur bei den Freunden Israels, sondern insbesondere bei den Juden in Deutschland zum Teil erhebliche Irritationen hervorgerufen.

Der SPD-Vorsitzende lud Robbe daraufhin zu einem Gespräch ein, nachdem er bereits auch dem Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann, ein gleichlautendes Angebot unterbreitet hatte.

Heute, am 19. März 2012, wurde der SPD-Vorsitzende im Deutschlandfunk auf den Vergleich angesprochen. Hier ist der Auszug des Interviews:

Heckmann: Herr Gabriel, Sie haben in den vergangenen Tagen für einigen Wirbel gesorgt, indem Sie die Lage im israelisch besetzten Hebron mit dem Apartheidregime in Südafrika verglichen haben. Haben Sie diesen Vergleich mittlerweile bereut?

Gabriel: Ich danke Ihnen erst mal, dass Sie sagen, dass ich die Lage in Hebron vergleichbar mit der Apartheid benannt habe, weil ich weit davon entfernt bin, den israelischen Staat zu vergleichen mit diesem früheren Staat in Südafrika. Israel ist natürlich demokratisch. Es ist bislang übrigens das einzige demokratische Land in der Region. Von daher habe ich einen solchen Vergleich nicht gezogen. Aber wenn sie nach Hebron gehen und sehen, unter welchen Bedingungen die Palästinenser dort sich wegducken müssen unter der fast sozusagen uneingeschränkten Macht der Siedler, die dort leben, das ist schon etwas, was einen an dieses geteilte Recht von Menschen erinnert, und ich halte das einfach für einen unerträglichen Zustand und das kann auch nicht im Interesse Israels sein. Weil Israel ein demokratischer Staat ist, darf es solche Zustände auf Dauer nicht zulassen. Ich habe jetzt in den Reaktionen festgestellt, dass viele Menschen, die sich mit Israel verbunden fühlen, sagen, oh Gott, jetzt sagt der Vorsitzende der SPD, Israel sei ein Apartheidstaat. Ich sage noch mal: Das habe ich nicht gesagt und in der Tat, wenn das Missverständnis entstanden sein sollte, das tut mir ehrlich gesagt leid. Ich will nicht mit denen in ein Boot, die Israel verurteilen und diskreditieren. Ich fahre seit 20 Jahren in die Region, bin Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, das ist schon ein bisschen ein verrückter Vorwurf. Aber man darf auch nicht schweigen über diese Zustände, denn das ist menschenunwürdig, was dort mit den Palästinensern gemacht wird, insbesondere eben in Hebron.

(http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1706976/)