Vorhang auf zum Tanz

02.12.2011                      06.Kislev. 5772

Jerusalem:

Vorhang auf zum Tanz

Von den 800.000 Jerusalemer Einwohnern ist inzwischen jeder Vierte ultrafromm. Die Tendenz ist steigend. Doch jetzt formiert sich der Widerstand liberaler Israelis gegen den Einfluss ultraorthodoxer Juden.

Auf den Treppenstufen, die hinunter zum Kulturzentrum Gerard Bechar führen, drängen sich die Zaungäste. Von dort haben sie die beste Sicht auf die Tänzer hinter den Fensterscheiben des Ballettstudios, das seit fünf Jahren in dem Haus untergebracht ist. Es regnet an diesem Jerusalemer Novemberabend. Aber unter den Zuschauern draußen herrscht eine angeregte, gespannte Stimmung wie bei einer Premiere. Und um eine solche handelt es sich auch. Denn erstmals hat die Ballettkompanie Kolben bei ihren Proben für ein zeitgenössisches Tanzstück die blickdichten Vorhänge hochgezogen, die sonst stets unten blieben – aus Rücksicht auf die ultraorthodoxen Juden in der Nachbarschaft. Die schläfengelockten „Gottesfürchtigen“, die Haredim, wie sie sich auf Hebräisch nennen, könnten sich ja am Anblick der Frauen in engen Tanztrikots, womöglich gar in einer gemischten Gruppe mit Männern, stören….