Als die Fahne mit dem Davidstern über Dachau wehte

20.05.2011                      16.Ijar, 5771                      Tag 31 des Omer

Dachau:

Als die Fahne mit dem Davidstern über Dachau wehte

Nach der Shoa gründeten Überlebende am Ort des Terrors eine Gemeinde.

Die kleine Stadt vor den Toren Münchens ist weltberühmt: Als „Schule der Gewalt“ wurde hier 1933 mit dem KZ Dachau ein Modell für alle späteren NS-Konzentrationslager errichtet. In den zwölf Jahren seiner Existenz verschleppten die Nazis rund 200.000 Menschen an diesen Ort des Grauens. Über 40.000 politische und jüdische Häftlinge sowie sowjetische Kriegsgefangene fielen den NS-Mördern zum Opfer.

Nach der Befreiung am 29. April 1945 konnten die US-amerikanischen Truppen noch rund 30.000 Häftlinge retten. „Alle Lagerinsassen, Juden und Nichtjuden, brennen darauf, das Lager zu verlassen“, berichtete die deutsch-jüdische Zeitung AUFBAU schon wenige Tage später. Doch aufgrund einer Typhusepidemie dauerte es noch drei Monate, bis die Überlebenden wirklich frei waren. Zur „Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung“ gründeten die ehemaligen Gefangenen ein „Internationales Häftlings-Komitee“, in dem alle Nationen vertreten waren. Da die rund 2.000 Juden jedoch keinen Delegierten in dieses Gremium entsenden durften, wählten sie eine eigene Interessenvertretung, das „Zionistische Zentrum“, und hissten als Ausdruck ihrer nationalen Identität an einem Wachtturm die blau-weiße Fahne mit dem Davidstern. Etwa zu dieser Zeit verfasste ein ehemaliger Häftling einen Hilferuf: „Von Gott verlassen leben wir hier in Dachau und wissen immer noch nicht, wann wir diese als Hölle bekannten Welt verlassen können“….