Auf der Suche nach Größe

14.09.2011                      15.Elul, 5771

Politik:

Auf der Suche nach Größe

In Kairo wird der türkische Premier Erdogan für seine antiisraelischen Töne gefeiert. Doch langfristig könnte seine Offensive auf Widerstand treffen. Bei seiner Rede vor der Arabischen Liga fordert Erdogan: "Israel muss für seine Verbrechen bezahlen".

Für Ägyptens Militärführung sind die Reisepläne des Türken ein Ärgernis.

Wie ein Messias wird Recep Tayyip Erdogan am Flughafen von Kairo begrüßt. Tausende sind gekommen, um den türkischen Ministerpräsidenten auf der ersten Etappe seiner viertägigen Reise durch die Staaten des "arabischen Frühlings" in Ägypten willkommen zu heißen. "Ägypten und die Türkei gehen Hand in Hand", skandiert die Menge und "Erdogan hat keine Angst vor Israel". Der Gast aus Ankara genießt das Bad in der Menge sichtlich, während der ägyptische Ministerpräsident Essam Scharaf, der an diesem Montagabend mit seiner Frau zum Flughafen gekommen ist, um seinen türkischen Amtskollegen in Empfang zu nehmen, mit gesenkten Haupt hinterherläuft und dabei ganz so aussieht, als ob er sich wünschte, nur einmal in seinem Leben so von seinen Landsleuten empfangen zu werden. Erdogan ist in Ägypten ein Star, seitdem er die Israelis offen herausfordert. "Er ist ein starker, stolzer Mann, mit dem man nicht spielen kann. Er ist ein wahrer Führer, ganz wie es Gamal Abd al-Nasser einmal war", sagt der ägyptische Journalist Khalifa Gaballa, und erklärt damit die Gefühlslage der Ägypter. Auf den Türken projizieren viele Araber ihr neues Selbstbewusstsein seit Beginn des "arabische Frühlings", und genau um diesen Effekt auszunutzen, ist Erdogan nun zu seinem PR-Feldzug durch die arabische Welt aufgebrochen….