Baedeker der Vernichtung

21.06.2011                      19.Siwan, 5771

Für Reisen in den Archipel KZ:

Baedeker der Vernichtung

Als die Häftlinge nach der Befreiung aus den KZs in ihre Heimat zurückkehrten und ihre Erlebnisse veröffentlichten, wählten sie oft das Erzählmuster des Berichts einer Reise in eine fremde exotische Welt, eine grauenvolle Strafkolonie mit perversem Reglement, absurder Logik, irreführendem Neusprech.

David Rousset nannte diese moralische Antipode „Univers concentrationnaire » (1946), Robert Antelme beschrieb eine Weltdie sich wild und grausam gegen die Lebenden richtete und dem Tod ruhig und gleichgültig gegenüberstand“ (L’espèce humaine, 1949), sogar der trockene Eugen Kogon verglich das KZ in seinem SS-Staat (1946) mit dem Inferno Dantes. Diese Assoziation kam Tätern wie Opfern ständig in den Sinn. So kommentiert der ehemalige Kommandant von Sobibor und Treblinka, Franz Stangl, im Gespräch mit Gitta Sereny seine Ankunft in Treblinka so: „Es war Dantes Inferno (…). Dantes Inferno war Wirklichkeit geworden (TB, S. 181). Der Chronist des Sonderkommandos von Auschwitz, Salmen Gradowski, benannte seine Flaschenpost von der „Todesinsel“ nach Josef Conrads Bestseller „In Harz fun Gehenem“….