BESCHNEIDUNG: Die Operation war einwandfrei

27.07.2012                      08.Aw. 5772

Hintergrund:

BESCHNEIDUNG: Die Operation war einwandfrei

Wie Sprachbarrieren und Missverständnisse in einem Krankenhaus zum umstrittenen Beschneidungsurteil von Köln führten.

Eine Liege, überzogen mit blauem Kunstleder, ein kleines Fenster an der Stirnseite, Vitrinen und Apparaturen: Das Behandlungszimmer in der Hausarztpraxis von Omar Kezze in der Kölner Innenstadt sieht aus wie Tausende andere Behandlungszimmer in der Republik. Eine arabische Kalligrafie an der Wand setzt einen Akzent, aber auch das ist ja nicht wirklich ungewöhnlich. Hier, an dieser Liege stehend, nahm Omar Kezze am 4. November 2010 eine Beschneidung bei einem vierjährigen muslimischen Jungen vor, nicht aus medizinischen, sondern aus religiösen Gründen. Ein Routineeingriff, wie er ihn schon unzählige Male vorgenommen hatte. Und genau hier nahm ein juristisches Verfahren seinen Anfang, das anderthalb Jahre später einen Schock für gleich zwei Religionsgemeinschaften nach sich ziehen würde. Am 7. Mai 2012 erklärte das Landgericht Köln Kezzes Routineeingriff an jenem Novembertag zu einer Körperverletzung – und stellte damit die uralte Praxis der Beschneidung jüdischer und muslimischer Jungen unter den Verdacht einer Straftat….