Blinde Spiegel

06.11.2012                      21.Cheschwan. 5773

Dachau:

Blinde Spiegel

Ernst Grube und Helga Hanusa berichten von ihrer Reise auf den Spuren der Münchner Juden, die in Osteuropa ermordet wurden – und an vielen Orten aus dem Gedächtnis gestrichen sind.

Da ist dieser Spiegel an der Wand eines Waschraums in der Festung Theresienstadt. Die Nazis hatten viele Spiegel und Waschbecken angebracht, die allerdings nie benutzt wurden. Sie sollten die Vertreter des Roten Kreuzes über die unmenschlichen Lebensbedingungen der Juden im Ghetto täuschen. "Was sehen wir, wenn wir hineinschauen?", fragt Helga Hanusa in der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. In dem fleckigen und nach vielen Jahren blinden Spiegel ist nichts zu sehen – Sinnbild für die verzerrte Erinnerung an den Judenmord. Helga Hanusa, Pädagogin aus Regensburg, und ihr Mann Ernst Grube, stellvertretender Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau, waren im November 2011 15 Tage lang unterwegs in Tschechien, Polen und Litauen. Das Paar reiste mit dem Künstler Paul Huf und der Journalistin Renate Eichmeier zu den Zielorten der Deportationen aus München: Theresienstadt, Auschwitz, Lublin-Majdanek, Belzec, Kaunas – Orte der Vernichtung des europäischen Judentums….