Chazak we Emaz

03.02.2012                      10.Schwat. 5772

Stark und mutig:

Chazak we Emaz

Die jüdische Nachkriegsgemeinde Passau:

Es war ein sonniger Frühlingstag im Mai 1947: Ein langer Demonstrationszug zieht durch die Altstadt von Passau. An der Spitze marschiert ein Standartenträger mit einer blau-weißen Fahne. In der Mitte prangt ein großer Davidstern, der von hebräischen Schriftzeichen umrahmt ist. „Jüdische Gemeinde Passau“ ist dort zu lesen. Die weit über hundert Juden erinnern mit ihrem Aufzug an die Liquidation des jüdischen Ghettos der polnischen Stadt Kielce und an die Ermordung der letzten 46 Kinder im Mai 1943.
Vermutlich vom 9. bis zum 15. Jahrhundert lebten Juden in Passau. Obwohl diese Zeit von den üblichen mittelalterlichen Ausgrenzungen und Verfolgungen geprägt war, entstand eine jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge und Mikwe. Nach einer angeblichen Hostienschändung und dem „Passauer Judenmordprozess“ von 1478 wurden die Juden erschlagen oder aus der Stadt vertrieben und ihre Synagoge zerstört. Erst nach rund 500 Jahren siedelten sich erneut Juden in Passau an. Diese kleine Gruppe bildet jedoch keine eigene Gemeinschaft, sondern gehört zur jüdischen Gemeinde in Straubing. Nach der „Machtübernahme“ Hitlers verließen immer mehr Juden die Stadt. Schon am 31. August 1935 kam es zu antisemitischen Ausschreitungen. 1938 war Passau dann praktisch „judenfrei“….