Das palästinensische Dilemma

23.11.2011                      26.Cheschwan. 5772

Palästina:

Das palästinensische Dilemma

Die Fatah sucht die Versöhnung mit der Hamas – und riskiert den Zorn Israels und der USA. Auch die Hamas steckt in einer Zwickmühle: Die befreundeten Moslembrüder in Ägypten brauchen Ruhe in Gaza.

Die Lobby des Hotels „Commodore“ in Gaza-Stadt ist voller Männer. Die Einen laufen unruhig umher, das Handy am Ohr. Die Anderen sitzen Zeit ab. Das haben sie gelernt in den israelischen Knästen, in denen sie noch vor mehr als einem Monat einsaßen. Bis zum 18. Oktober, als sie im Austausch gegen Gilad Schalit, den israelischen Soldaten, den die Hamas fünf Jahre lang als Geisel festhielt, freikamen. Jetzt warten sie auf den Neuanfang, darauf, im Leben wieder Fuß zu fassen.
Ein Haus bauen, Kinder haben, von solchen Wünschen spricht auch Hilal Jarada (46). Warum er 25 Jahre im Gefängnis verbracht hat, darüber verliert er wenig Worte. Jarada sagt nur, dass „wir unseren Kampf nicht bedauern“. Sein Beitrag bestand darin, einen Soldaten nahe Afula zu erstechen. Afula liegt in Israel, eine halbe Autostunde von der Westbank-Stadt Dschenin entfernt, in der Jaradas Familie lebt. Aber dorthin lassen die Israelis ihn nicht zurück, Sicherheitsgründe, heißt es. Jarada gehört zu den 200 palästinensischen Gefangenen, die beim Deal mit der Hamas nach Gaza abgeschoben wurden. In jenen Küstenstreifen, der spöttisch „Gefängnis mit Meerblick“ genannt wird….