Der jüdische Reichtum und seine Neider

17.06.2013                      09.Tammus. 5773

Ein heikles Thema:

Der jüdische Reichtum und seine Neider

Seit Shakespeare im «Kaufmann von Venedig» die Figur des Shylock schuf, ist das Bild des reichen Juden auf wirkungsmächtige Weise negativ besetzt. Auch heute noch. Wie konnte es dazu kommen?

Antisemitische Hetze braucht keine grossen Plakate. Es reichen kleine Formate. Postkarten zum Beispiel, die zwei Männer am Galgen zeigen. Erst im Tod lassen ihre Hände Papiere fahren, auf denen sich die Worte «Wechsel» und «Wucherzinsen» finden. Und damit ja kein Zweifel besteht, welcher Volksgruppe diese als dunkel gelockt und hakennasig gezeichneten Erhängten zugehören, steht unter der Illustration ein Ausruf auf Jiddisch: «De besten Lait!» Das tönt klar nach: Nur tote Juden sind gute Juden. Die Postkarte datiert auf die Zeit um 1900, ihre Lynch-Phantasie ging also dem mörderischen Antisemitismus der Nazis voraus. 1922 bedruckten völkische Nationalisten 1000-Mark-Scheine, die durch die Inflation entwertet waren, mit dem demagogischen Reim: «Das Gold, das Silber und den Speck, nahm uns der Jud – und liess uns diesen Dreck!» Angehängt war eine «Fahrkarte IV. Klasse nach Jerusalem», «hin – und nicht mehr zurück»….