Der neue Feind

29.12.2011                      03.Tewet. 5772

Syrien:

Der neue Feind

Türkei und Syrien galten als Verbündete. Nun unterstützt Istanbul die syrische Opposition. Ist eine Intervention denkbar?

Es gibt sie, die freien Syrer. Die Führer der säkularen Opposition treffen sich in Hotels in Antalya am Mittelmeer. Syrische Muslimbrüder sitzen an der Bosporuspromenade von Istanbul. Desertierte Armeeoffiziere telefonieren aus türkischen Flüchtlingslagern bei Antakya. Näher können sie ihrer Heimat nicht kommen.

Die Türkei hat eine Schlüsselrolle im syrischen Konflikt. Noch zu Beginn dieses Jahres waren die beiden Länder Vorzeigefreunde in Nahost. Doch mit dem syrischen Aufstand wuchs Premier Tayyip Erdoğan vom Vertrauten des Herrschers Baschar al-Assad zu einem gefährlichen Gegner, vom Fürsprecher zum bittersten Kritiker. Er schwenkte um von Wirtschaftsförderung zu Sanktionen gemeinsam mit dem Westen und der Arabischen Liga. Nicht alle mögen das. Assad grollt, Iran schäumt, und in der Türkei wirft der nationalkemalistische Oppositionsführer Kilicdaroglu der Regierung vor, sie lasse »bewaffnete Gruppen für den Angriff auf ein anderes Land trainieren«. Das wäre die Vorstufe zur Intervention. Doch was tut die Türkei wirklich? Und ab wann wird es gefährlich?…