Der Rummelplatz Gottes

19.11.2011                      22.Cheschwan. 5772                      Chaje Sarah

Sinai:

Der Rummelplatz Gottes

Wo Moses mit den Zehn Geboten vom Berg gestiegen sein soll, geben heute Touristinnen barsch Anweisungen, wie sie fotografiert werden wollen. Schriftsteller Matthias Politycki hat im Sinai doch noch die Einsamkeit gefunden – und beinahe seinen Glauben wieder.

Am Vorabend fängt's recht harmlos an: Nur eine Handvoll Touristen hat sich auf dem Berg Sinai alias Gebel Musa alias Mosesberg eingefunden, man knipst der sinkenden Sonne hinterher. Mit einem Mal jedoch wird's laut: Ein Trupp Soldaten, wie sich später herausstellt, hat den Gipfel erreicht, alle aus Fidschi, abgestellt für die internationale Truppe, auf dass der Frieden zwischen Israel und Ägypten stabil bleibe. Erst als sich die Sonne in eine rote Scheibe verwandelt, kommt ihr Palaver zu einem Ende: Sie formieren sich zum Chor, singen ein herzergreifend schönes Kirchenlied, in der sehr stillen Sekunde danach bricht die Nacht an.