Die Alte Kaserne in Deggendorf nach dem Zweiten Weltkrieg

08.07.2011                      06.Tammus, 5771

Deggendorf:

Die Alte Kaserne in Deggendorf nach dem Zweiten Weltkrieg

Aus der Hölle Theresienstadt und Polen  in den Wartesaal einer unbestimmten Zukunft.

Die Ereignisse zwischen dem 27. April 1945, als Soldaten der 3. US-Armee die nur leicht kriegsbeschädigte Stadt Deggendorf und am 28. April beide Kasernen in der Stadt besetzten, und dem Oktober desselben Jahres, lösten nicht nur unter fast 3800 Menschen Hektik aus, die in der ALTEN KASERNE gestrandet waren. Der totale Zusammenbruch hatte sich unübersehbar angekündigt. Und wer als Deutscher bis dahin Augen und Ohren verschlossen hatte, um die in der Bevölkerung längst bekannten Verbrechen der Deutschen nicht wahrnehmen zu müssen, hatte die Tage zuvor unmittelbar vor Augen gehabt. Da waren nämlich zwei KZ-Züge durch die Stadt geleitet worden. Aus einem waren zahlreiche Tote heimlich auf den Friedhof getragen und dort verscharrt worden. Friedhofswärter Englmeier schwieg darüber und über den exakten Vergrabungsplatz bis in den Tod. Als mitleidige Bahnreisende den wimmernden Menschen in den Güterwaggons Wasser bringen wollten, verhinderten die SS-Begleiter dies unter Gewaltandrohung.
Schon an den Bahnhöfen zwischen Bayerisch-Eisenstein an der früheren böhmisch-bayerischen Grenze und Deggendorf, in Zwiesel, Regen, Gotteszell und Grafling, hatten Menschen das Elend der massenhaft sterbenden KZ-Häftlinge mitbekommen: Deren Schreie waren unüberhörbar, auch als es in stetig leiseres Wimmern überging, die aus den vergitterten Güterwaggons bittend ausgestreckten Hände waren unübersehbar gewesen. Überdeutlich hatte sich eine breite Blutspur auf der gesamten Fahrstrecke zwischen den Schienen ausgebreitet. Einer der beiden Züge war mit 4800 Häftlingen in Buchenwald gestartet. Nach seiner Abfahrt aus Deggendorf waren in Nammering 794 Opfer in einen Steinbruch unweit der Gleise aus den Waggons herausgeschossen oder hinaus geprügelt worden. Hier aber hatten ein mutiger Pfarrer und Dorfbewohner gegen den Willen und die Gewaltandrohungen der SS den noch lebenden Häftlingen im Zug jede eben mögliche Hilfe geleistet. Als dieser Zug Tage später endlich in dem bereits befreiten KZ Dachau eintraf, fanden die entsetzten US-Soldaten kaum 2000 Überlebende darin….