Die große Stille in Bagdad

13.01.2012                      18.Tewet. 5772

Literatur:

Die große Stille in Bagdad

Mit seinem Irak-Epos beweist der Berliner Autor Sherko Fatah, wie welthaltig die deutsche Literatur geworden ist.

Mitte der fünfziger Jahre lebt in Bagdad ein Mann namens Anwar. Er ist nicht mehr jung, alt ist er auch nicht, er ist nicht verbittert, doch eine Zukunft liegt nicht vor ihm. Als Bote verdingt er sich in den Häusern der Wohlhabenden, kleine Gänge tagein, tagaus. Früher einmal konnte er sich in der Illusion wiegen, eine wichtige Aufgabe, ja eine Mission zu haben. Anwar hat eine Geschichte, und was für eine, doch Bagdad ist das stehende Nichts, der Stillstand, das ewige arabische Elend. Das ist ähnlich wie früher, in den Dreißigern, als er ein junger Räuber war, der an den Fassaden der Paläste emporkletterte und sich ein Stück vom Reichtum sicherte. Dazwischen liegt das Abenteuer, die große Geschichte. Als er einen deutschen Arzt sieht, der plötzlich in seiner Stadt auftaucht und der ihm einmal das Leben gerettet hat, kommt alles wieder in ihm hoch….