Die Legende vom Tabu

19.01.2013                      08.Schwat. 5773                     Bo

Kolumne:

Die Legende vom Tabu

Karl Marx hatte nicht immer Recht. Wenn sich die Geschichte wiederholt, wechseln sich Farce und Tragödie mehr als einmal ab. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die seit Wochen anhaltende Debatte über Antisemitismus in Deutschland, deren Hauptprotagonisten Jakob Augstein und Henryk M. Broder sind, offenbart dies umso mehr, als die Erinnerung an vergangene Wortschlachten keine Rolle zu spielen scheint. Für den Streit zwischen Martin Walser und Ignatz Bubis nach der berüchtigten Paulskirchen-Rede des Schriftstellers 1998, der sich über die "vorgehaltene Moralpistole" namens Auschwitz beschwerte und mutig bekannte, "bestimmt schon zwanzigmal weggeschaut" zu haben, wenn im Fernsehen Dokumentarfilme über den Holocaust liefen, gilt dies genauso wie für die Auseinandersetzung zwischen Möllemann und Friedman vor gut zehn Jahren….