Die Linke und die Juden

10.07.2011                      08.Tammus, 5771

Feature:

Die Linke und die Juden

Richard Herzinger beobachtet, wie sich Die Linke selbst zerlegt. Im Streit um Antisemitismus in den eigenen Reihen treten in der Partei unvereinbare Gegensätze zutage, die lange Zeit durch Oskar Lafontaines Demagogie übertüncht worden sind.

Verwundern kann daran eigentlich nur, dass es erst jetzt geschieht. Denn dass sich die Partei Die Linke derzeit selbst zu zerlegen beginnt, ist die Folge eines ihr innewohnenden Konstruktionsfehlers. Dabei sind die tiefen ideologischen und kulturellen Risse, die sie durchziehen, nicht zufällig durch die Debatte über Antisemitismus in den eigenen Reihen aufgebrochen. Gehören antijüdische Ressentiments, die unter dem Deckmantel des guten "antifaschistischen" und "antikapitalistischen" Gewissens und einer scheinbar unverdächtigen "Israelkritik" weiter wuchern, doch zu den blinden Flecken linkssozialistischen Denkens. Sich diesem Problem zu stellen, rührt daher am Identitätskern eines sich stets im historischen Recht sehenden linken Welterlösungsbewusstseins….