Die Meinhardts (IV)

27.04.2011                      23.Nisan, 5771                      Isru Chag; Tag 8 des Omer

Geschichte:

Die Meinhardts (IV)

Diese Schrift ist dem Andenken unserer Großeltern Franz Meinhardt und Margarethe Meinhardt, geb. Löwenthal gewidmet, die 1942 im Holocaust umgekommen sind. Sie ist auch unseren Eltern Gerd Meinhardt und Käte Meinhardt, geb. Luft gewidmet, die 1939 Nazi Deutschland verlassen konnten und in Chile Aufnahme und Schutz fanden, um dort ein neues Leben beginnen zu können. Sei ihr Andenken selig. (Z.L.).

Erste Schritte im neuen Land

In Santiago wurden sie in einer Auffangpension untergebracht. Sie wurde von der jüdischen Gemeinschaft in Chile betrieben und finanziert, um den verfolgten Juden aus Mitteleuropa eine erste provisorische Bleibe zu bieten. Es gab zwei Mahlzeiten am Tag. Auch hier wurden viele Ratschläge erteilt. Es wurden Spanischkurse angeboten und an einer Anschlagstafel erschienen Informationen über Wohnraum und mögliche Arbeitsplätze. Meine Eltern freundeten sich mit einem fast gleichaltrigen Ehepaar aus Berlin an, den Schweitzers, die einige Wochen vorher in Chile eingetroffen waren, und beschlossen mit ihnen gemeinsam Wohnung und Arbeitsstelle zu suchen.

Sie fanden zunächst einen Job im Zentralmarkt, den Großmarkthallen, wo alle Produkte aus dem Lande und aus dem Meer von Großhändlern an die Kleinhändler in der Stadt verteilt wurden. Einige jüdische Großhändler  gaben den neu angekommenen Emigranten eine temporäre Arbeit. Es war wirklich keine sehr qualifizierte Arbeit, Hr. Schweitzer und Vater luden Säcke auf, räumten Konserven ein und übernahmen andere Hilfsarbeiteraufgaben. Aber Vater erzählte später zufrieden, “es war mein erstes selbst verdientes Geld in Chile”….