Die Stadt ohne Juden – von Hugo Bettauer

14.05.2011                      10.Ijar, 5771                      Behar; Tag 25 des Omer

Kultur:

Die Stadt ohne Juden – von Hugo Bettauer

Ein satirisches Buch über den primitiven Antisemitismus wird zum "Zukunftsroman", für den sein umstrittener Autor sterben musste.

Als Hugo Bettauer 1925 erschossen wird, ist er nicht nur einer der erfolgreichsten, sondern auch umstrittensten Schriftsteller Österreichs. Im selben Jahr wurde sein Roman "Die freudlose Gasse" mit Greta Garbo verfilmt, ein Jahr zuvor "Die Stadt ohne Juden" mit Hans Moser und Ferdinand Maierhofer (erst 2008 wieder zugänglich gemacht durch die "Edition Österreichischer Film"). Seine Skandal-Zeitschriften – in denen er für Homosexualität, Schwangerschaftsabbruch und ein modernes Scheidungsrecht eintrat – gehörten zu den Wochenblättern mit den höchsten Auflagen ihrer Zeit. Hugo Bettauers Leben gleicht einem Roman, wirkt wie eine seiner expressionistischen Grotesken: Geboren als jüdischer Sohn eines Börsenmaklers, Jugendfreund und Mitschüler von Karl Kraus, riss er mit 16 Jahren aus und schaffte es bis nach Alexandria. Er wurde wieder zurückgeschickt, konvertierte mit 18 zum evangelischen Glauben, erbte das Vermögen seines Vaters, verlor es durch Spekulationen, heiratete, lebte in New York, Berlin und München. Er schlug sich als Journalist und Kabarettist durch, ließ sich scheiden, ging 1904 erneut nach Amerika und kehrte 1910 nach Wien zurück. So geht es weiter: Er gründet Zeitschriften, schreibt Kriminalromane, arbeitet als Korrespondent….