Die verwandelte Orthodoxie

23.07.2012                      04.Aw. 5772

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Die verwandelte Orthodoxie

Je häufiger sich der öffentliche Diskurs mit der Sprachmünze »jüdischer Staat« befasst, desto relevanter und entscheidender wird die Stimme und Meinung der jüdischen Orthodoxie im Land. Da die säkulare Mehrheit im israelischen Judentum ihren Anspruch auf die Definition, in welcher Hinsicht der Staat »jüdisch« sein solle, ja ihren Anspruch auf die Bestimmung von Zielen für Gesellschaft und Politik aufgegeben hat, bleibt es eigentlich der Orthodoxie, einer Minderheit in der Bevölkerung und in der politischen Klasse, überlassen, über beides zu entscheiden.

Versteht man das nationale Selbstbestimmungsrecht als Grundlage des nationalen Bewusstseins, kann die Bezeichnung »jüdisch« unterschiedlich gedeutet werden. Wird diese Grundlage jedoch aufgegeben – unter anderem weil eine nationale Selbstbestimmung auch die palästinensische Nationalbewegung legitimiert -, entsteht ein Vakuum. Dieses Vakuum hat sowohl die Orthodoxie als auch die Ultraorthodoxie genutzt und der verunsicherten Mehrheit ihre Werte angeboten oder aufgezwungen….