Drohung und Gegendrohung

10.09.2011                      11.Elul, 5771                      Ki Tetze

Aussenpolitik:

Drohung und Gegendrohung

Türkei: Wir brechen Gaza-Blockade mit Kriegsschiffen. Israel: Dann helfen wir den Kurden.

Innerhalb weniger Tage hat sich die sanfte außenpolitische Doktrin der Türkei ("Null Probleme mit den Nachbarn") in einem Wirbel von Drohungen und Gegendrohungen aufgelöst, an dessen Ende eine folgenschwere militärische Konfrontation stehen könnte. Die jüngste Eskalation löste eine Äußerung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan aus: Die Türkei werde künftig mit ihrer Kriegsmarine Israels Gaza-Blockade brechen. Israels Außenminister Avigdor Lieberman kündigte daraufhin eine verstärkte Zusammenarbeit Israels mit Armenien und den Rebellen der kurdischen PKK an.
Auch mit den Nachbarn im Süden legte sich Erdogan diese Woche schon an: Zypern drohte er mit dem Einsatz seiner Kriegsflotte, falls die Zyprer wie geplant nach Erdgas im östlichen Mittelmeer forschen sollten. Zu diesem Säbelrasseln passen die Schmähungen, denen sich aktuell der bulgarische Botschafter nach seiner vehementen Kritik an der türkischen Haltung ausgesetzt sieht. In den türkischen Medien jedenfalls streuten Regierungsmitarbeiter die Nachricht über eine "jüdische Abstammung" des Botschafters, um ihn zu verunglimpfen. Dass Erdgas bei dem Streit mit Israel eine zentrale Rolle spielt, zeigt eine weitere Äußerung Erdogans: Die Türkei werde es nicht zulassen, dass Israel "einseitig" die riesigen Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer ausbeute. Bislang profitiert vor allem Israel von den Bodenschätzen vor der Küste Gazas – eine etwaige Anerkennung des Palästinenserstaates durch die Vereinten Nationen (UN), die darüber noch im September abstimmen wollen, sowie eine Einigung zwischen der Hamas und der palästinensischen Selbstverwaltung im Westjordanland würden Israel eine weitere Förderung schwerer machen….