“E Hätz so jroß wie ne Stään” – Zum Tode von Jean Jülich

31.10.2011                      03.Cheschwan. 5772                       Ta'anit BH"B

Gestorben:

“E Hätz so jroß wie ne Stään” – Zum Tode von Jean Jülich

In Köln war er bekannt, viele verehrten ihn, er war ein Original – nun lebt er nicht mehr: Am 19. Oktober ist der Kölner Edelweißpirat, Gastronom, Karnevalist und Sänger Jean Jülich im Alter von 82 Jahren friedlich verstorben. Jean Jülich hat, als Symbol der Edelweißpiraten, lange gebraucht, um für sein und ihr mutiges Engagement Anerkennung zu finden. Geehrt wurde er zuerst in Israel: 1984 zeichnete ihn Yad Vashem als „Gerechten unter den Völkern“ aus. Die Kölner Offiziellen behandelten ihn seinerzeit hingegen als „Kriminellen“.

In seiner Jugend engagierte sich der am 18.4.1929 in Köln geborene Jean Jülich bei den „unangepassten Jugendlichen“, den Edelweißpiraten. Gemeinsam trafen sie sich während der Nazizeit an abgelegenen Orten, sangen gemeinsame Lieder, machten Ausflüge – und viele von ihnen beteiligten sich an „illegalen“ Widerstandsaktionen gegen die Nazis. Jean engagierte sich bei der Sülzer und der Ehrenfelder Gruppe, gemeinsam trafen sie sich am Manderscheider Platz. Sein Vater, der bereits 1932 in den Untergrund gegangen war, saß als Kommunist im Gefängnis. 1944 wurde der 14-jährige Jean Jülich nach einer waghalsigen Aktion inhaftiert, im Gestapo-Hauptquartier EL-DE-Haus gefoltert, in mehreren Gefängnissen festgehalten. Im März 1945 standen amerikanische Panzer vor Jülichs Gefängnis, viele Mithäftlinge waren gestorben – Jean Jülich wurde befreit….