Ein Plädoyer für die Entstaubung der israelischen Sicherheitsdiskussion

20.12.2011                      24.Kislev. 5772

Israel, die Türkei und der Iran:

Ein Plädoyer für die Entstaubung der israelischen Sicherheitsdiskussion

Kaum eine strategische Diskussion bewegt sich in so festgefahrenen Bahnen und orientiert sich an tradierten Bildern wie die Diskussion um die Sicherheitslage Israels. So galt etwa seit den späten 60er Jahren das Credo, dass der Irak unter Saddam Hussein die grösste militärische Bedrohung an der israelischen Ostfront darstelle. Das Irak-Paradigma war aus den Köpfen vieler „Sicherheitsexperten” nicht herauszubringen und steuerte einiges zu der Überschätzung des irakischen Einfluss- und Militärpotentials 2003 bei.

Die militärischen Beiträge des Irak zu den Kriegen 1967 und 1973 waren jedoch bescheiden. Auch seine Unterstützungsleistungen an die PLO und später die Hamas hielten sich in Grenzen – zumindest waren sie weniger bedeutend als die Saudi-Arabiens, der Golf-Emirate oder Irans. Der Raketenbeschuss Israels 1991 durch den Irak war auch verglichen mit dem Können der Hizb Allah 2006 eine jämmerliche Show. Und nach dem Fall Saddam Husseins war die „Ostfront” weder beruhigt noch sorgenfrei. Vielmehr führte dieser zu einem Aufstieg des Iran und bot Syrien die Möglichkeit, seine Kräfte im Libanon zu bündeln. Der Irak hat heute Zugriff auf amerikanische Rüstungstechnologie und ist langfristig wenig stabil, geschweige denn berechenbar oder an den Westen gebunden….