Ein Rechenfehler

23.07.2012                      04.Aw. 5772

Beschneidungsdebatte:

Ein Rechenfehler

Wie in der Islamkritik bricht in der Beschneidungsdebatte ein rabiat religionsfeindlicher Zeitgeist durch. Aber das Grundgesetz macht den Menschen nicht neu, sondern findet ihn vor, wie er ist.

Wer über seiner Steuererklärung sitzt und in aller Gründlichkeit Abschreibungen und Zuwendungen addiert, bis er am Ende herausbekommt, dass er mit einer Rückzahlung in Höhe des Bundeshaushalts rechnen kann, der sieht sofort, dass das Ergebnis nicht stimmen kann. Diese Evidenz der Absurdität gibt es auch im Tätigkeitsbereich der praktischen Vernunft. Ein Urteil eines deutschen Strafgerichts, dessen Befolgung dazu führen würde, dass sämtliche Juden das Land verlassen müssten, kann nicht richtig sein. Das sagt der gesunde Menschenverstand, manchmal lieber Common sense genannt. Und das erklärt die ebenso raschen wie entschiedenen Reaktionen der maßgeblichen Politiker auf das Kölner Beschneidungsurteil. Ihre Intuitionen sind intakt. Das beruhigt….