Ein stummer Vater und ein fremder Bruder

10.10.2011                      12.Tischrei. 5772

Familiengeschichte:

Ein stummer Vater und ein fremder Bruder

Warum lässt ein Mann zweimal ein Kind allein? Der Frankfurter Fotograf Rafael Herlich hat sich diese Frage stellen müssen.

Bis zu jenem Anruf hat Rafael Herlich nicht im geringsten geahnt, dass er einmal einen Halbbruder in die Arme schließen würde. Ob sie einen Emanuel Herlich kenne, der in Offenbach wohne oder gewohnt habe, hatte der Mann am Telefon Rafael Herlichs Frau gefragt. „Das ist doch der Vater meines Mannes“, lautete deren verblüffte Antwort. Rafael Herlich ist danach sofort ins Auto gestiegen und nach Essen zu seinem ihm bis dahin unbekannten Halbbruder Pierre gefahren. „Ich sah mich in ihm wie in einem Spiegel“, erinnert er sich an die erste Begegnung.
Mehr als 40Jahre lang hatte dieser Halbbruder den Mann seiner Mutter für seinen leiblichen Vater gehalten. Doch eine Blutprobe, abgenommen für eine Operation, entlarvte diesen Glauben als Irrtum. „Wer ist mein Vater?“, wollte er nun von seiner Mutter wissen. Die konnte und mochte das ein halbes Leben lang gehütete Familiengeheimnis nicht länger bewahren. Ja, der „Vater“ sei nicht sein wirklicher Vater, eröffnete sie ihrem Sohn. Ein Emanuel Herlich aus Offenbach habe ihn gezeugt. Doch der habe Frau und Kind verlassen….