Erinnerungen an Jean Jülich

05.12.2011                      09.Kislev. 5772

Erinnerungen:

Erinnerungen an Jean Jülich

Diese Rede hat Peter Finkelgruen am 26.11. auf der Erinnerungsveranstaltung für Jean Jülich in Köln-Mülheim gehalten.

Meine eindringlichste Erinnerung an Jean Jülich geht zurück auf das Frühjahr 1984. Jean Jülich, seine Frau, sein Sohn und seine Tochter waren in meinem Wohnzimmer in Jerusalem versammelt. Es war Frühjahr, die Sonne schien, und das große Fenster gab den Blick auf die Judäischen Berge frei. Es war nicht nur die biblische Landschaft, die mich an den sprichwörtlichen Propheten denken ließ, der im eigenen Land wenig gilt, denn direkt uns gegenüber lag Yad Vashem, die Gedenkstätte an die Opfer des Holocaust.

Dort aber wird nicht nur der Opfer gedacht: In der Allee der Gerechten steht ein Baum für jeden, der in der Zeit der größten Not, als Millionen von europäischen Juden von den Nazis und ihren Helfern verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, geholfen hat. Am darauffolgenden Tag sollten dort zwei Bäume gepflanzt werden: einer für den von der Gestapo hingerichteten Bartholomäus Schink und einer für Jean.

Drei Jahre zuvor, im Sommer 1981, hatte ich ihn für diese Ehrung vorgeschlagen und alle Unterlagen, die ich im Zusammenhang mit den Recherchen über die Edelweispiraten gesammelt hatte, der Prüfungskommission übergeben. Ein knappes Jahr später erfolgte die Anerkennung und an diesem Frühlingstag im Jahr 1984 nunmehr endlich auch die Ehrung, an der auch der deutsche Botschafter teilnahm und auch Gerhart Baum, noch Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Innenminister der Bundesrepublik Deutschland….