Erstunken und erlogen

07.05.2011                      03.Ijar, 5771                      Tag 18 des Omer

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Erstunken und erlogen

Thomas Webers spannende Studie über Hitlers Rolle im Ersten Weltkrieg fegt die Mythen um seine Person beiseite.

Dass Hitler im Ersten Weltkrieg ein guter Soldat gewesen und in größter Gefahr unzählige Male dem Tod entgangen sei, das Antlitz des Kriegs also weit besser kannte als die Generäle hinter den Linien, und dass er sich insofern halbwegs plausibel einbilden durfte, vom Kriegführen etwas zu verstehen, haben weit größere Geister als einst die Rezensentin versichert. Es stimmt, der Gefreite Hitler, der sich freiwillig gemeldet hatte, diente fast ununterbrochen an der Westfront, und zwar als Meldegänger. Wer sich aus den vorhandenen Informationen ein Bild von der Schlacht an der Somme oder dem Kampf um Verdun gemacht hat, ahnt, wie gefährlich Meldegänger lebten – ähnlich gefährdet wie jene Soldaten, die die Essensrationen in die Schützengräben bringen mussten. Sie waren Maschinengewehrfeuer ausgesetzt und stets davon bedroht, in einem der mit verwesenden Leichen und verseuchtem Wasser gefüllten Granattrichtern zu ersaufen. Und war nicht der österreichische Gefreite mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse geehrt worden, einer Auszeichnung, die Mannschaftsgraden normalerweise nicht zustand?…