Exil und Identität: Das Austrian Institute in New York

02.04.2011                      27.Adar ll, 5771

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Exil und Identität: Das Austrian Institute in New York

“Man hat seine Heimat verloren. Aber ich habe noch mehr verloren. Ich verlor meine Identität (…) Bin ich katholisch? Bin ich jüdisch? Vor Hitler hätte ich mir diese Frage nie gestellt. Ich war Wienerin.” Die 1911 in Wien geborene Carola ließ die Frage nach der eigenen Identität nicht mehr los. Sie stammte aus einem gemischt jüdisch-katholischen Elternhaus. Ihr Vater, der sich als Jude Titos Untergrundarmee angeschlossen hatte, wurde in Dachau ermordet, Carola selbst überlebte Ravensbrück und wanderte 1956 nach Umwegen in die USA aus. In New York arbeitete sie an einem renommierten Verlagshaus – und traf sich regelmäßig am New Yorker Austrian Institute. An die Geschichte dieses 1942 gegründeten Wiener Emigrantenclubs erinnert Brigitta Boveland in einer lesenswerten biographischen Studie.

Viele österreichische und deutsche jüdische Emigranten hatten sich im weltstädtischen New York niedergelassen. Noch im Krieg, 1942, gründete der österreichische Dichter und ehemalige Minister Guido Zernatto einen Treffpunkt für diese österreichischen Emigranten: Das Austrian Institute. Dieses in der 52. Strasse in New York gelegene Haus entfaltete 50 Jahre lang ein reges soziales und kulturelles Leben; 1992 schloss es seine Pforten, endgültig. Die in Zürich lebende Sozialwissenschaftlerin Brigitta Boveland hat nun eine psychoanalytisch-sozialwissenschaftliche Studie vorgelegt, in welcher sie, auf der Basis ausführlicher Interviews mit 18 in New York lebenden Wiener Emigranten sowie eines regen Archivstudiums, die Geschichte dieses kulturellen Treffpunktes nacherzählt – in ansprechender Weise. Zu ihren Interviewpartnern gehört auch u.a. die kürzlich verstorbene Wiener Psychoanalytikerin Else Pappenheim wie auch ihr Ehemann Stephen Frishauf….