Finanzamt und Reichsbahn als NS-Profiteure

24.11.2011                      27.Cheschwan. 5772                      Jom Kippur Katan

"Evakuierungsbescheid":

Finanzamt und Reichsbahn als NS-Profiteure

Vor siebzig Jahren fand die erste Deportation von Nürnberger Juden statt.

In den letzten Novembertagen des Jahres 1941 zerrte die Gestapo 512 Nürnberger Juden aus ihren Wohnungen und brachte sie mit Lastwagen zu einer Deportations-Sammelstelle. Die damals 45-jährige Rosa Kaufmann gab ihre Erinnerung an diese schrecklichen Tage 1958 in einem Gerichtsverfahren zu Protokoll: „An einem Donnerstag gegen Ende November 1941 bin ich als Jüdin von SS-Leuten in meiner damaligen Wohnung abgeholt worden. Ich wurde mit einer Reihe von Glaubensgenossen in einem geschlossenen Auto – ich denke, es wird ein Polizeitransportauto gewesen sein – in ein Lager verbracht“. Abgeholt wurden auch Julius Wertheimer, seine Frau Hedwig und ihr 15-jähriger Sohn Hans. Der Kaufmannsfamilie gehörte ein Mietshaus in der Innenstadt, in dem sie eine Etage bewohnten. Bereits im Sommer 1940 mussten die Wertheimers die Immobilie verkaufen. Ein Nürnberger Zahnarzt erwarb das Anwesen für 38.000 Reichsmark. Das Geld ist freilich nie bei der jüdischen Familie angekommen, sie durfte aber weiterhin in ihrer Wohnung bleiben, wobei sie jedoch gezwungen war, fortan Miete dafür zu bezahlen….