Gefangenenbefreiung (Pidjon Schwujim)

27.10.2011                      29.Tischrei. 5772

Judentum:

Gefangenenbefreiung (Pidjon Schwujim)

Parascha 405. Ansprache für Freitag, den 28. Oktober 2011 (Noach).

Benjamin Netanyahu sagte bei der Rückkehr des Soldaten Gilad Shalit aus fünfjähriger Geiselhaft, nun sei seine Mission als israelischer Ministerpräsident erfüllt. Angesichts der vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen eines israelischen Ministerpräsidenten klang das reichlich übertrieben, doch im jüdischen Bewusstsein und in den jüdischen Herzen schlägt er damit  eine bekannte Saite und Weise an. Die Gefangenenauslösung (Pidjon Schwujim) gilt in der jüdischen Tradition als besonders gutes, ja, als das beste Werk (BB 8a-b). Im großen Gesetzeskodex des Moses Maimonides steht wörtlich: Es gibt kein größeres Gebot als die Gefangenenauslösung“ (Ejn Lecha Mizwa Gedola KeMizwa Pidjon Schwujim, Hil. Matnot Anijim 8, 10). Dafür  dürfen alle wohltätigen Spenden zweckentfremdet werden, theoretisch sogar die Spenden zum Wiederaufbau des Tempels (SchA, Jore Dea 252, 1). Wer aber die Erfüllung dieser Pflicht versäumt, vergieße in jedem Augenblick des Zuwartens das Blut des Gefangenen (ebd. 252, 3). Der Kinoschocker: "Lebend begraben" von Rodrigo Cortes veranschaulicht in beklemmender Weise die Aktualität dieser Aussage. Er schildert den verzweifelten und vergeblichen Überlebenskampf einer amerikanischen Geisel, die im Irak in einem Sarg unter der Erde gefangen gehalten wird. Was der Zuschauer keine 94 Minuten erträgt, musste Gilad Shalit 1940 Tage aushalten….