Getrübte Vorfreude

17.10.2011                      19.Tischrei. 5772                       Chol Hamo'ed 3

Gefangenenaustausch:

Getrübte Vorfreude

Der Gefangenenaustausch mit Israel lässt viele Palästinenser nach jahrelanger Haft in die Heimat zurückkehren. Doch viele werden im Gefängnis bleiben müssen.

Umm Schadi gönnt sich nur eine kurze Pause im Schatten der Olivenbäume. „Ein paar lassen wir für Fahri übrig. Bald gehen wir wieder zusammen zur Ernte, wie wir es früher immer machten“, sagt die Frau mit dem langen schwarzen Kleid und dem blauen Kopftuch. Vor 34 Jahren war sie zum letzten Mal gemeinsam mit ihrem Ehemann im Olivenhain ihrer Familie in den kargen Bargen nördlich von Ramallah. Am Dienstag soll Fahri Barguti aus israelischer Haft in sein Heimatdorf Kobar zurückkehren. Das bärtige Gesicht des Palästinensers ist in den engen Gassen des Ortes überall an die Wände gemalt – neben dem seines Cousins Nael. Beide sind keine gewöhnlichen Häftlinge, sondern halten einen traurigen Rekord: Nachdem sie wegen des Mordes an einem Israeli zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren, sind die Männer so lange in israelischem Gewahrsam wie kein anderer Palästinenser….