“Guter Ort” wider das Vergessen

06.01.2012                      11.Tewet. 5772

Erhaltung eines jüdischen Friedhofs:

“Guter Ort” wider das Vergessen

Immer wieder hört man davon, dass es in Böhmen, Mähren und Schlesien drei „Nationalitäten” gegeben habe, die das Land geprägt hätten: Tschechen, Deutsche – und Juden. Diese Einteilung in Nationalitäten ist auch auf den alten Listen der Volkszählungen zu finden, die noch aus der 1. Republik vor 1938 bekannt sind, in denen sich jeder Bürger zu einer Nationalität bekennen musste, die allgemein auf der jeweiligen Umgangssprache beruhte. „Jüdisch” wird in diesen Listen zwar auch als eine eigene „Nationalität” aufgeführt, doch irgendwie fielen die Zahlen unter dieser Rubrik immer sehr niedrig aus, da sich die meisten böhmischen Juden zur deutschen Nationalität bekannten.
Dies galt besonders für die Grenzregionen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch auf den Grabsteinen auf dem neuen jüdischen Friedhof in Rosenberg an der Moldau die Inschriften auf Hebräisch und Deutsch gehalten sind, also in zwei Sprachen, die man in Südböhmen heutzutage nicht unbedingt mehr wahrhaben möchte. – Interessant sind dabei auch die Namen der Herkunftsorte der Verstorbenen, die heutzutage nicht mehr existent zu sein scheinen, wie z. B. „Kaplitz” oder „Unterhaid” und natürlich auch „Rosenberg”. – Die Bezeichnung „Guter Ort” für Begräbnisplatz wird von deutschsprachigen Juden auch heute noch benutzt….