Herrenmensch in Prag: Schleyers erste Karriere

04.04.2011                      29.Adar ll, 5771

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Herrenmensch in Prag: Schleyers erste Karriere

15. März 1939. Angespornt durch das „Münchner Abkommen“ zwischen Großbritannien, Frankreich, Italien und dem Deutschen Reich besetzen rund 350.000 Wehrmachtssoldaten die sogenannte „Resttschechei“. Sechs lange Jahre sollte die damit beginnende deutsche Herrschaft aus Raub, Verfolgung und Terror bestehen.

Dies ist der historische Kontext, mit dem das Buch von Erich Später über das jüdische Ehepaar Waigner, ihre Villa in Prag, und über Nazis wie Hans Martin Schleyer beginnt. Aufgrund der Ideologie vom „Großdeutschen Reich“ wurde die vormals demokratische ČSR nun endgültig zerstückelt und zum „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ erklärt, daß dem Wahn der Nazis zufolge „germanisiert“ werden mußte. Ernst Klundt, enger Mitarbeiter von Konrad Henlein, dem Führer der sudetendeutschen Partei verlangte Oktober 1938 in einer geheimen Denkschrift die Liquidierung der tschechischen Demokratie, die einher gehen sollte mit Genozid: „Dieser Raum“, so Klundt, „muß in die außenpolitische und militärische Oberhoheit des großdeutschen Reiches gelangen, weil das deutsche Volk und sein Staat nur Herr in Mittel- und Südosteuropa sein kann, wenn es der Herr von Böhmen ist … (Um) das zu erreichen, gibt es gegenüber dem tschechischen Volk nur zwei Möglichkeiten: a) Beseitigung durch Ausrottung oder Aussiedlung, b) Einbau in das Dritte Reich und die weltanschauliche Grundlage dieses Reiches“….