Im deutschen Wald der Ressentiments

21.01.2013                      10.Schwat. 5773

SPD und Israel:

Im deutschen Wald der Ressentiments

Kein anderes außenpolitisches Thema versetzt die Deutschen so sehr in Rage wie die Diskussion um die Existenz und Politik des Staates Israel. Während Begriffe wie „Dänemarkkritik“, „Schweizkritik“ oder „Russlandkritik“ im normalen Sprachgebrauch praktisch nicht existent sind, ist das Wort „Israelkritik“ in aller Munde – Suchmaschinen wie Google liefern fast 150.000 Einträge (Stand: 20.1.2013). Es ist tausendmal gesagt und soll auch an dieser Stelle wiederholt werden: Selbstverständlich ist Kritik an Israel „erlaubt“ – sie kann legitim oder gar notwendig sein, so wie Kritik an jedem anderen Staat auch.

Eine andere Frage ist allerdings, warum so viele Deutsche ihre „Israelkritik“ als eine Art Volkssport betreiben und dabei die Grenze zum antizionistischen Ressentiment überschreiten. Jedermann kann die Juden heute (wieder) als rachsüchtige Drahtzieher, potenzielle Völkermörder oder als Gefahr für den Weltfrieden brandmarken, ohne als antisemitisch zu gelten – jedenfalls so lange, wie er oder sie sich auf Israel bezieht. Die Tatsache, dass die meisten deutschen Medien dem Journalisten Jakob Augstein reflexartig eine Art Unbedenklichkeitsbescheinigung auszustellen bereit waren, zeigt einmal mehr, dass der jüdische Staat mit anderen Maßstäben behandelt wird als andere Staaten. Es mehren sich die Anzeichen, dass Israel, das auch wegen Auschwitz existiert und wegen derer, die damals wegschauten, systematisch delegitimiert und dämonisiert wird. Was bei Jürgen Möllemann und Martin Hohmann vor zehn Jahren noch skandalisiert wurde, ist 2013 – von Ausnahmen abgesehen – konsensfähig geworden: von der CDU bis hin zur Linkspartei. Teile des gesellschaftlichen Juste Milieus behandeln das demokratische Israel als Paria der Staatengemeinschaft, obwohl der jüdische Staat das einzige UN-Mitglied ist, dem mit der Vernichtung seiner Existenz gedroht wird….