In Badehosen gegen Geisterwohnungen

11.05.2011                      07.Ijar, 5771                      Tag 21 des Omer

Jerusalem:

In Badehosen gegen Geisterwohnungen

Im 19. Jahrhundert gründeten deutsche Templer die German Colony in Jerusalem. Heute ist das Viertel die Gentrifizierungszone Nummer eins von Jerusalem. Doch auch in der Heiligen Stadt gibt es Wutbürger.

Wenn Zeev Arad erklären will, was sich verändert hat, deutet er auf den Rasen vor einem mehrstöckigen Wohnhaus. »Früher«, sagt er, »haben die Kinder alle gemeinsam im Vorgarten gespielt. Heute gehört die Fläche den Mietern oder Eigentümern aus dem Erdgeschoss.« Der Vorgarten, um den es geht, sieht aus wie mit der Schere geschnitten, akkurat stehen die Grashalme auf Wimbledon-Niveau.
Arad ist Stadtplaner und arbeitet für das Ginot Ha’Ir Community Center, das so etwas wie das Zentrum des Widerstandes gegen die Gentrifizierung in der »German Colony« ist, auch wenn hier niemand das sperrige »G«-Wort benutzt. Das Viertel rund um die Hauptstraße Emek Refaim ist die Aufwertungszone Nummer eins von Jerusalem, und das nicht zufällig. Lange Jahre galt es als das säkulare Zentrum Jerusalems. Das seit 80 Jahren bestehende Smadar-Kino in der Lloyd-George-Straße ist eines der drei Off-Kinos der Stadt, die Cinematheque, knapp außerhalb der Quartiersgrenzen gelegen, das zweite….