Iraner haben „keine Probleme“ mit der militärischen Nutzung des Atomprogramms

08.10.2011                      11.Cheschwan. 5772

Interview: (mit Audio)

Iraner haben "keine Probleme" mit militärischer Nutzung des Atomprogramms

Nahostexperte: Führung pflegt "Wagenburg-Mentalität" und hat sich auf Angriffe eingestellt.

Die Bevölkerung im Iran unterstützt nach Ansicht des Direktors des GIGA-Instituts für Nahost-Studien, Henner Fürtig, nicht nur das zivile Atomprogramm des Landes, sondern steht auch hinter den offiziell geleugneten militärischen Bestandteilen.

Jan-Christoph Kitzler: Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA berichtet heute über das iranische Atomprogramm, und nach allem, was bisher durchgesickert ist, hat das, anders als Teheran behauptet, sehr wohl militärische Ziele. Das wird heute diplomatische Wellen auslösen. Wir wollen aber heute Morgen den Blick auf die iranische Innenpolitik richten. Darüber habe ich mit dem Iranexperten Henner Fürtig vom Hamburger GIGA-Institut für Nahost-Studien gesprochen, und zuerst habe ich ihn gefragt, welche Rolle das Atomprogramm, das ja unseren Blick auf den Iran dominiert, eigentlich innenpolitisch spielt.
Henner Fürtig: Innenpolitisch spielt es schon eine Rolle, weil es den geistlichen Führern immer wieder Gelegenheit gibt, so eine Art Wagenburg-Mentalität herzustellen, dass das Ausland dem Iran seine technologischen Errungenschaften neidet oder nicht gönnt, und hinter diesem Deckmantel wird letztendlich auch zugestanden, dass große Teile der Bevölkerung selbst mit den ja immer geleugneten militärischen Bestandteilen dieses Programms eigentlich keine Probleme haben, weil sie davon ausgehen, dass Iran ein souveräner Staat ist und selbstverständlich das Recht auf die Nutzung der Nuklearenergie hat. In diesem Diskurs wird quasi eben eine mögliche militärische Variante versteckt….