Jerusalem – die Traurige

19.07.2011                      17.Tammus, 5771                     Fasttag im Tammus

Jerusalemtag:

Jerusalem – die Traurige

Der Jerusalemtag ist eigentlich gar kein richtiger Feiertag, da er nur von der national-religiösen Bewegung, den Siedlern, Abgeordneten der Betriebsbelegschaften, dem Präsidenten, dem Bürgermeister und Kanal 1 lustlos – dafür umso größer – gefeiert wird. Die meisten Leute in Israel kriegen davon kaum etwas mit und kümmern sich auch nicht darum, warum es diesen Feiertag überhaupt gibt.

Die Feiern zum Jerusalemtag werden den Zerfall und die Diskriminierung nicht vertuschen.

Der Dichter und Jerusalemer Gilad Meiri, der anscheinend auch ein anderes Jerusalem liebt, sagte in einem Gedicht, man solle „Jerusalem vom Jerusalemtag befreien“. Seitdem Jerusalem vor 44 Jahren zusammengefügt wurde, gab es wenig Gründe zum Feiern und in diesem Jahr noch weniger als sonst.
Jerusalem 2011 ist eine traurige Stadt, die vorgibt, fröhlich zu sein.
Anfang dieser Woche veröffentlichte das zentrale Statistikbüro reale Daten, die uns noch weniger in eine Party-Stimmung versetzen: Jerusalem ist die ultra-orthodoxeste Stadt, die arabischste und von Abwanderung geplagt. Etwa 8000 Jerusalemiten hatten genug von der Stadt und verließen sie.
Die Rate der Gymnasiasten, die ihr Abitur machen, ist sehr niedrig, und die Stadt kümmert sich nicht um ihre Armen.
Inzwischen fehlen im östlichen Teil der Stadt mehr als 1000 Klassenzimmer. Etwa die Hälfte der Kinder hat keinen Platz in einem Klassenraum. Sie sind unerwünschte Kinder….