Jürgen Fliege, die Essenz

12.08.2011                      12.Aw-Elul, 5771

Glosse:

Jürgen Fliege, die Essenz

Die älteren unter unseren Lesern werden sich noch an Jürgen Fliege erinnern, der bis 2005 12 Jahre lang eine eigene Talkshow im Ersten hatte. Nach 1.800 Sendungen zogen die Programmveranwortlichen den Stecker. "Fliege macht die Fliege" schrieben damals die Zeitungen. Den rührigen Gottesdiener focht die Häme nicht an, er war ja im höheren Auftrag unterwegs und hatte beizeiten die "Stiftung Fliege" gegründet. "Helfen Sie uns, anderen zu helfen." Wie die "Nonne Elisabeth aus Basel", die der Kabarettist Wolfgang Neuss erfunden hatte: "Schreiben Sie uns! Schreiben Sie uns auf unser Konto!" …

Worauf Fliege erklärte, das mache ihm nichts aus, denn: "Ich kaufe auch bei Juden."  Wir dürfen es doch nicht von der Religionszugehörigkeit eines Händlers abhängig machen, ob wir bei ihm einkaufen!
Die Antwort zeigt, dass die Wunderwirkung der von Fliege hergestellten und vertriebenen "Essenz" auf den Intellekt sehr begrenzt ist. Seit der "Kristallnacht" im Jahre 1938 werden "jüdische Geschäfte" in Deutschland nicht mehr als solche gekennzeichnet. Auch die Verpflichtung, den Gelben Stern zu tragen, wurde inzwischen aufgehoben. Insofern dürfte ein gezieltes Einkaufen "bei Juden" schwierig sein. Es sei denn, Fliege, der in der Gegend von München lebt, reist einmal die Woche nach Israel, um dort Avocados, Kichererbsen, Kaktusfrüchte und koscheren Messwein einzukaufen. Und bei der Gelegenheit seine Hände in Unschuld zu waschen. Natürlich im heiligen Wasser des Jordan.