Junge Radikalisierung

04.01.2014                      03.Schwat.5774                      Bo

Hintergrund:

Junge Radikalisierung

Die Zahl deutscher Dschihadisten („heiliger Krieger“), die sich in afghanischen, pakistanischen und jemenitischen Lagern ausbilden lassen, um sich am Kampf in Syrien und anderen Konfliktregionen zu beteiligen, nimmt zu. 2007 warnte der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble vor dem wachsenden Phänomen eines „homegrown terrorism“, eines „hausgemachten Terrorismus“. Was treibt junge Menschen – Migranten wie Konvertiten – in den radikalen Islam?

Nach der Studie des Bundesinnenministeriums „Muslime in Deutschland“ von 2007 weisen zehn bis zwölf Prozent der Muslime das Potenzial für eine politisch-religiös motivierte Radikalisierung auf. Wenden sich nominelle Muslime einer intensiveren Praxis oder einem ganz neuen Verständnis des Islam zu, so geschieht dies bei Migranten der zweiten oder dritten Generation meist auf der Suche nach der eigenen Identität, die für viele junge Muslime Europas nicht eindeutig geklärt scheint. Sind sie Deutsche? Türken? Deutsch-Türken? Ebenso gefährdet scheinen vereinsamte Zuwanderer – oft Studenten –, die mit der ungewohnten Vielfalt westlicher Freiheiten überfordert sind. Der Islam als Wurzel, Identifikationsmoment und Standortbestimmung ist aus ihrer Sicht häufigster Grund ihrer Zurückweisung durch die deutsche Gesellschaft und die – in ihren Augen – einseitig negative mediale Berichterstattung über den Islam. Wo auf diese Weise Identitätskonflikte mit Erfahrungen der tatsächlichen oder gefühlten Ablehnung und Diskriminierung durch das Umfeld einhergehen, wächst die Offenheit für alternative Angebote von Freundschaft und Akzeptanz am Rande der Gesellschaft….