Keine neue Religion

28.10.2011                      30.Tischrei. 5772                       Rosch Chodesch

Essay:

Keine neue Religion

Weshalb ein doktrinärer Liberalismus sich wie die Fortsetzung linker Gewissheiten liest und der Freiheit keinen Dienst erweist. Eine Antwort auf Gerd Habermann.

Braucht es in einer Zeit des Zitterns und Bangens neuen liberalen Elan? Ganz gewiss. Wenn aus der berechtigten Skepsis gegenüber den ohnmächtigen Allmachtsfantasien des Staates (das Oxymoron sei an dieser Stelle erlaubt) jedoch der Wunsch nach einem allselig machenden Ismus entsteht, sollten die Alarmleuchten blinken. Wenn, wie der Wirtschaftsphilosoph Gerd Habermann meint, der "liberale Liberalismus" bereits die Lösung aller sozialen und ökonomischen Menschenrechtsprobleme darstellt: Weshalb erfrechen sich dann Millionen von Wählern immer noch, konservativ zu wählen oder sozialdemokratisch bzw. grün-alternativ? Befinden sie sich womöglich in einem "Verblendungszusammenhang", wie es einst in altlinker Diktion hieß? Anstatt sich am halb vollen Glas eines in beinahe allen Parteien eingesickerten liberalen Gedankenguts zu erfreuen, wird das Klagelied über einen vermeintlich entleerten "Bindestrich-Liberalismus" gesungen….