«Israel-Kritiker ist ein beliebter Beruf»

29.01.2013                      18.Schwat. 5773

Interview:

«Israel-Kritiker ist ein beliebter Beruf»

Publizist Henryk M. Broder legt in der deutschen Debatte über Antisemitismus nach: Man geniere sich nicht mehr, Antisemit zu sein. Die Anfeindungen zielten heute auf den Staat Israel.

Sind die Deutschen Antisemiten?

Nein, die Deutschen sind nicht antisemitischer geworden als sie es ohnehin schon waren. Sie sind auch nicht antisemitischer als andere Nationen. Was sich geändert hat: Aus dem verschämten Antisemitismus ist ein unverschämter Antisemitismus geworden.

Wie merken Sie das?

Früher hat man sich geniert, Antisemit zu sein. Heute bittet ein kluger Kopf wie der Journalist Harald Martenstein: «Ich möchte auch auf die Simon-Wiesenthal-Liste!» – also auf die Liste der schlimmsten Antisemiten. Der Begriff Antisemit hat seinen Schrecken verloren….