“Mein Leben war mit dem der Juden verknüpft”

09.10.2012                      23.Tischrei. 5773                      Simchat Torah

Emma Goldman:

“Mein Leben war mit dem der Juden verknüpft”

Emma Goldman ist eine Symbolfigur des Anarchismus. Ihre Autobiografie »Gelebtes Leben« wurde gerade wieder neu aufgelegt.

Die US-amerikanische Anarchistin Emma Goldman wie auch ihr Lebensgefährte Alexander Berkman sind bekannt für ihre frühe Kritik am Bolschewismus und ihre Reflexionen militanter Politik und direkter Aktionen. Als Goldmans Autobiografie »Living My Life«, die sie 1931 veröffentlichte, 1978 erstmals auf Deutsch erschien, wurde sie auch als Beitrag zu einer neuen Frauenbewegung verstanden. Für Goldman (1869–1940) bedeutete Anarchismus nicht allein die Aufhebung staatlicher Gewalt, sondern die Befreiung des Individuums von allen gesellschaftlichen Zwängen. So setzte sie sich stets für die Rechte der Frau ein. Als ausgebildete Hebamme und Krankenschwester kannte sie die Lebenssituation von Frauen in den unteren Schichten sehr genau. Die schonungslose Ehrlichkeit, mit der sie die Probleme der freien Liebe schildert, macht ihre Lebenserinnerungen auch nach 80 Jahren noch erstaunlich aktuell. Dass Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen, war auch unter Anarchisten nicht unumstritten. Zwar sprachen sie von der »Gleichberechtigung der Geschlechter«, doch »die einzigen Männer, die nicht nur predigten, sondern auch danach handelten, waren die russischen und jüdischen Radikalen«, schreibt Goldman….