Mischneh haTorah-3, Deuteronomium: Einführung in das Buch Dewarim

04.08.2011                      04.Aw-Elul, 5771

Judentum:

Mischneh haTorah-3, Deuteronomium: Einführung in das Buch Dewarim

Die Rolle Mosches

Das Buch Deuteronomium beginnt mit der Aussage, Mosche habe vor dem Volk seine letzte zusammenfassende Rede im Land Moab (dem heutigen Königreich Jordanien) gehalten, als die Israeliten kurz davor standen, den Jarden zu überqueren und das Land in Besitz zu nehmen, das ihnen seit so langer Zeit versprochen war und in dem Israel endlich Ruhe und Sicherheit finden würde.

Diese Aussage, die im Deuteronomium mehrfach wiederholt wird, ist eindeutig ein erzählerisches Mittel, keine historische Begebenheit. Mosche ist nicht der Redner oder Prediger des Deuteronomiums, auch wenn vieles, was in diesem Buch gesagt wird, von ihm angeregt wurde und auf ihn zurückgehen könnte. Die Hörer des deuteronomischen Predigers sind auch nicht die Überlebenden der Wüstenwanderung, die jetzt ihren Höhepunkt in Israels Heimkehr finden sollte. Allerdings bringt jede Fiktion immer auch eine eigene Wahrheit zur Sprache, und in diesem Sinn ist sie keine Fiktion. 
Wenn es stimmt, was die moderne Wissenschaft über die Entstehungszeit des Deuteronomiums annimmt – und historische und archäologische Beweise scheinen diese Annahme zu bestätigen -, dann geht es in dieser "Fiktion" durchaus um eine reale Lebenssituation, aber eben um eine Situation in einer späteren Zeit im Königreich Juda. Diese Lebenssituation wird allerdings in Worte aus alten Traditionen gekleidet, die weit über die unmittelbare Situation hinausreichen. Und das war eine entscheidende Voraussetzung für die Rolle, die das Deuteronomium in der Entwicklung des biblischen und nachbiblischen Judentums spielte….