Moralischer Sieg Israels

19.10.2011                      21.Tischrei. 5772                       Hoschanah Rabbah

Kommentar:

Moralischer Sieg Israels

Es war einer jener Momente, in dem Weltpolitik plötzlich auf das Menschliche zusammenschnurrt. Auf die Rührung eines Vaters, der zum ersten Mal seit fünf Jahren die Stimme seines Sohnes wieder am Telefon hört. Auf die Tränen einer Mutter, die ihr schon verloren geglaubtes Kind wieder in die Arme schließt. Und auf die Erleichterung des jungen Mannes, der auf israelischem Boden von einem Hamas-Kommando gekidnappt und fünf Jahre lang in Isolation als Geisel gehalten wurde. "Ich bin sehr aufgewühlt. Ich habe schon lange keine Menschen mehr gesehen", sagte Gilad Schalit im ersten Interview nach seiner Befreiung. Knappe Worte, die erahnen lassen, wie hart die Jahre waren.

Das sind Momente, die selbst jene abgeklärten strategischen Denker nicht kaltlassen, die davor warnen, dass der hohe Preis, den Israel für die Freilassung bezahlt hat, Anreize für noch mehr Entführungen in der Zukunft bietet. Und man braucht nur einen Blick auf die Liste von Terroristen werfen, die Israel ziehen lassen musste, um zu verstehen, dass dies keine einfache Entscheidung war für die Regierung in Jerusalem. Auch der Jubelempfang, der den vielfachen Mördern in Gaza bereitet wurde, trägt einiges zur Ernüchterung auf israelischer Seite bei. Aber was aussieht wie eine strategische Niederlage, ist tatsächlich ein moralischer Sieg Israels. Der Staat, der von so vielen Menschen auf der Welt und auch in Europa angefeindet wird, hat deutlich gemacht, um wie viel ihm das Leben eines eigenen Bürgers mehr wert ist als seinen islamistischen Feinden das der Ihrigen. Genau 1027 Mal mehr….