Mysterium tremendum: Die Hochfeste im Herbst

12.10.2011                      14.Tischrei. 5772                       Erew Sukkot

Judentum:

Mysterium tremendum: Die Hochfeste im Herbst

„Freue dich an deinem Fest . . . und sei nur fröhlich” (Deut 16,14-15) ist das Losungswort für das Laubhüttenfest, aber nicht nur für dieses allein, sondern für die drei Regalim, die Wallfahrtsfeste, die wir unter ihrer biblischen Bezeichnung „Die Feste des Herrn” behandelt haben (Anm. im Kap. 9 desselben Buches).

In tiefem Gegensatz dazu stehen die beiden Hochfeste im Herbst: Neujahr und Versöhnungstag, die als ,Jamim Noraim” bezeichnet werden, die „furchtbaren Tage”, wobei der Begriff „Nora” (furchtbar) dem lateinischen Begriff „temendum” wesensmäßig entspricht. Ein Mysterium tremendum, ein furchtbares Geheimnis birgt die Botschaft dieser Tage des Gerichts über Israel und die Völker der Welt.

Der Neujahrstag tritt in unserem Leviticus-Text (23,23-25) nicht als solcher auf, sondern nur als ein Tag des Posaunenblasens, oder der Erinnerung des Posaunenblasens, wobei nicht an eine Metallposaune, sondern an ein Schophar zu denken ist, ein Widderhorn, das heute noch im Mittelpunkt der synagogalen Liturgie dieses Tages steht. Das Blasen auf diesem Horn wird mit der verhinderten Opferung Isaaks verbunden. Anstelle des Sohnes wurde ein Widder geopfert, dessen Horn nun Gott an das stellvertretende Sühneleiden Isaaks erinnern soll. Dieses Motiv kehrt in der Liturgie des Neujahrsfestes immer wieder: „Gedenke des Bundes mit Abraham und der Bindung Isaaks und rette uns um deines Namens willen.”…