Ohne Masterplan

14.07.2011                      12.Tammus, 5771

Essay:

Ohne Masterplan

Die westliche Euphorie über den "arabischen Frühling" ist verflogen und droht in Fatalismus umzukippen. Doch ein Zurück zur alten Ordnung kann es nicht geben

Auf dem Höhepunkt der Euphorie über den Sturz der Mubarak-Diktatur in Ägypten übten sich führende deutsche Politiker öffentlich in reuevoller Zerknirschung. Zu lange habe man mit arabischen Despoten paktiert, sei man doch dem fatalen Irrtum aufgesessen, nur sie könnten im explosiven Nahen Osten "Stabilität" garantieren. Von jetzt an aber müsse die Förderung von Menschenrechten und Demokratie als oberste Leitlinie einer "wertegeleiteten Außenpolitik" gelten….
Die verworrene Lage bringt es mit sich, dass zwischen wuchernden Risiken auch unvermutete Chancen auftauchen. So verspürt Israel gegenwärtig ein gewisses Nachlassen des massiven internationalen Drucks, dem es noch vor Kurzem von allen Seiten ausgesetzt war. Erscheint es doch nicht nur dem Westen plötzlich wieder als Insel der Stabilität und des Rechts in einem Meer exzessiver Gewalt und bedrohlicher Unberechenbarkeit. Selbst die Türkei, die sich vor der muslimischen Welt als härtester Widersacher des verhassten "Zionismus" und als potenter Beschützer der Palästinenser hatte profilieren wollen, sieht sich zu einer zumindest temporären Deeskalation gegenüber dem jüdischen Staat genötigt. Nicht anders ist ihr Rückzug aus der obskuren Gaza-Flottille zu deuten, die sie vor einem Jahr zu einem beispiellosen antiisraelischen Propagandacoup genutzt hatte. Entgeistert muss die islamische Regierung in Ankara feststellen,…