PESSACH UND DER DRANG ZUR FREIHEIT

19.04.2011                      15.Nisan, 5771                      Pessah 1

Judentum:

PESSACH UND DER DRANG ZUR FREIHEIT

Kaum eine Reflexion über Pessach und die Pessach-Haggada übergeht den Gedanken an die Freiheit, der im Hinblick auf das zugrunde liegende Ereignis der Befreiung aus Ägypten (2Mos 13) alle Texte des Seder durchzieht. Nicht von abstrakter, spiritueller Freiheit ist die Rede, sondern vielmehr von dem, was man heute die Selbstbestimmung eines Volkes nennt: Freie Menschen in einem eigenen Territorium: "Dieses Jahr hier; im Kommenden im Land Israel. Dieses Jahr Sklaven im kommenden freie Männer (=Bne Chorin)."

Die so formulierte Erwartung soll auch existenziell verinnerlicht werden. So könnte man in heutiger Sprache ausdrücken, was die Haggada in folgende Worte kleidet: "In allen Geschlechtern ist es Pflicht jedes einzelnen Menschen, sich so zu sehen, als ob er selbst aus Ägypten ausgezogen sei." Man sollte hier nicht übersehen, dass dieser Vorgang der Befreiung mit einem anderen, religiös überaus bedeutsamen Begriff umschrieben wird, nämlich dem der "ge’ula", der Erlösung. Es ist offenkundig, dass diese Gedanken zum Ausdruck bringen, was Menschen empfinden, die ihre eigene Lage als nahezu identisch mit der ihrer unterdrückten Vorfahren erfahren….