Präventivschlag auf das iranische Atomprogramm?

30.05.2012                      09.Siwan. 5772

Hintergrund:

Präventivschlag auf das iranische Atomprogramm?

„Ein Präventivschlag auf das iranische Atomprogramm – sinnvoll und gerechtfertigt?" Nur ein Prophet könnte diese Frage seriös beantworten. Klar ist: Die Beziehungen zwischen Iran und Israel beschäftigen uns in den letzten Monaten mehr als andere internationale Konfliktkonstellationen – viele von uns sind von nervöser Anspannung befallen.

Wie in einem Brennglas enthält der Nahe und Mittlere Osten alle Ingredienzen, um uns emotional aufzuwühlen. Die Zutaten sind verknüpft mit Obsessionen, Projektionen und Traumata, die aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts herrühren. Da sind auf der einen Seite die Berliner Jusos, die auf ihrer Landesdelegiertenversammlung eine israelische Militäraktion gegen das iranische Atomprogramm ins Spiel bringen, falls die jüngst verschärften Sanktionen die militärische Dimension des iranischen Nuklearprogramms nicht stoppen können. Auf der Gegenseite befindet sich der Schriftsteller Günter Grass, der „mit letzter Tinte“ den Israelis unterstellt, sie seien drauf und dran, „das iranische Volk auszulöschen“. Grass inszeniert einen Rollentausch – ein persönliches Interesse treibt ihn an, die Juden zu Tätern eines Weltverbrechens zu stilisieren, das quantitativ die Schoah in den Schatten stellen könnte. Grass liefert ein Paradebeispiel dafür, wie der Antizionismus der vermeintlich Guten als das trojanische Pferd fungiert, das das antisemitische Ressentiment gesellschaftsfähig macht. Wer von diesem moralisch getarnten Antisemitismus nicht reden will, sollte von Israel und Iran besser schweigen….